Original paper

über Trockenrisse und Netzleisten im Mittleren Muschelkalk von Rüdersdorf.

Zimmermann, Ernst

Kurzfassung

Die Netzwerke von Rissen, die beim Austrocknen von thonigen Feldern, von Regenpfützen in Lehmgruben und auf Wegen u. s. w. entstehen, sind eine allbekannte Erscheinung; dass solche Trocknungs- oder Trockenrisse auch fossil vorkommen, in Gestalt ihrer Ausgüsse als "Netzleisten" auf der Unterseite der Deckplatten, ist den Geologen ebenfalls bekannt genug, wird aber in Lehrbüchern nicht oder nur nebenbei erwähnt. Nicht ganz so bekannt dürfte sein, dass die oberste, trockenste Lage der durch die Risse zerborstenen Schlammschicht sich von ihrer feuchteren Unterlage häufig abhebt und dann von Wind und neu hinzutretenden Wellen als Geröll fortgeführt werden kann, ohne im Wasser wieder leicht zu Brei zu zerfliessen. Derartige Gerölle kommen ebenfalls fossil vor: die meisten "Thongallen", z.B. im Buntsandstein, dürften hierher gehören. Da Trockenrisse (und demnach auch die genannten Thongallen) nicht bei dauernder Wasserbedeckung entstehen können, so kennzeichnen sie in ausgezeichneter Weise die festländischen, höchstens noch die littoralen, keineswegs die rein marinen Bildungen. Es wäre deswegen von Werth, die Formationen und Schichten zu kennen, in denen Netzleisten und Thongallen vorkommen; doch ist eine systematische Zusammenstellung nach Formationen und Fundorten (nach verticaler und horizontaler Verbreitung) bisher wohl noch nicht erfolgt. Am bekanntesten (aus Deutschland) sind die (auch einmal als fossile Schwämme unter dem Namen Sickleria beschriebenen) Netzleisten im Chirotherium-Sandstein (obersten Mittelbuntsandstein), ganz gleiche kommen auch in den Fährtensandsteinen des Rothliegenden und Mittleren Keupers vor. Als Gesteine mit Netzleisten sind bisher nur entweder Wechsellagerungen von Sandsteinen mit Letten oder Schieferthonen, oder auch Wechsel von Letten mit Letten bekannt.