Original paper

Ueber Miocän (Helvétien) in der unmittelbaren Umgebung Veronas.

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

Echte Miocänbildungen sind bisher aus dem Hügellande zwischen Vicenza und dem Gardasee nicht bekannt. Das jüngste Glied in der Schichtenreihe bildet der Complex, welchem Süss nach seiner reichen Entwickelung in der Umgegend des betriebsamen Schio zuerst den Namen "Schichten von Schio" beigelegt hat. Ueber die Altersfrage dieser Bildungen gingen die Meinungen der Autoren von jeher auseinander; ich beabsichtige nicht, hier näher auf dieses wichtige Thema einzugehen, und dies umsoweniger, als ich darauf demnächst an anderer Stelle eingehender zurückzukommen gedenke. In Kürze will ich hier nur andeuten, dass die Schioschichten an allen Punkten, wo sichere Profile vorhanden sind, unter einer mächtigen Decke von Mediterranbildungen lagern, deren tiefste Schichten noch Cytherea incrassata, Isocardia subtransversa (Meduno im Friaul) und an anderen Punkten (Peonis im Friaul) auch Cerithium plicatum und C. margaritaceum führen, dass sie noch Nummuliten, grosse Orbitoiden und sehr charakteristische Heterosteginen enthalten (Mt. Moscalli bei Incaffi in der Provinz Verona, Cava Brocchi bei Bassano, Castelcucco bei Possagno etc.), dass ihre Pectiniden theilweise eine Mittelstellung zwischen mitteloligocänen und neogenen Formen einnehmen, dass ihre weitere Molluskenfauna da, wo sie wie bei Belluno und am Mt. Brione bei Riva besser und reicher erhalten ist, noch einen erheblichen Procentsatz typisch oligocäner Elemente erkennen lässt, dass mithin diese Schichten im Gegensatze zu dem, was auch ich früher angenommen habe, wohl als Ober-Oligocän und als Aequivalente der älteren, neuerdings durch Wolff so gut bekannt gewordenen nordalpinen Molasse aufzufassen sein werden.