Original paper

Ueber das Schloss von Pterinaea refroflexa Wahlenb. sp.

Philippi, Emil

Kurzfassung

Frech sagt in seiner Arbeit über die devonischen Aviculiden Deutschlands: "Die Kenntnisse, die wir von silurischen Muscheln besitzen, sind im Allgemeinen recht lückenhaft, und besonders erscheinen die Gattungsbezeichnungen infolge der mangelhaften Bekanntschaft mit dem Innern durchweg unsicher. Die Avicula-ähnlichen Muscheln werden meist als Pterinaea bezeichnet, obwohl bei keiner derselben die bezeichnenden Schlosszähne bisher nachgewiesen worden sind." Frech hält infolgedessen das Vorkommen der Gattung Pterinaea im Silur für noch durchaus zweifelhaft, im Gegensatz besonders zu Neumayr, der Pterinaea für den ursprünglichen Typus der Aviculiden ansieht. Unter diesen Umständen dürfte es von Interesse sein, dass es mir gelungen ist, an einem Exemplar von Pterinaea retroflexa Wahlenb. sp. aus gotländischem Ober-Silur die Schlossfläche freizulegen und die charakteristische Pterinaeen-Bezahnung zu constatiren. Das Exemplar, welches ich präparirte, wurde von A. Krause an der klassischen Localität Hoburg im südlichen Gotland gesammelt und gehört dem Berliner Museum für Naturkunde. Die sehr dickschaligen und grossen Stücke von Pterinaea retroflexa Wahlenb. sp., von denen das ganze Handstück erfüllt ist, liegen in dem von Hoburg öfter erwähnten sandigen Crinoidenkalk und sind stark abgerieben, was sich besonders auf der Schlossfläche unangenehm bemerkbar macht. Trotzdem sind unter dem Wirbel der linken, stärker gewölbten Klappe mit voller Deutlichkeit vier Zahngruben zu beobachten, von denen die vorderste etwa senkrecht zur Längsrichtung des Scblossrandes verläuft, während die drei hinteren untereinander parallel und schräg nach hinten gerichtet sind.