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Eine Bemerkung zu Herrn Harboe's Aufsatz über "Vereisung und Vulkanismus".

Semper, Max

Kurzfassung

Der im dritten Heft des Jahrgangs 1898 dieser Zeitschrift erschienene Aufsatz Herrn E. G. Harboe's über "Vereisung und Vulkanismus" führt die Ausdehnung der diluvialen Gletscher auf die Thätigkeit der tertiären Vulkane zurück und sucht damit einen Factor zur Geltung zu bringen, der meines Wissens bisher noch nicht herangezogen war. Wenn auch die Neuheit der Idee zunächst sympatisch berühren mag, so kann doch die gegebene Darstellung kaum als überzeugend bezeichnet werden, umsomehr als die gewählte Form dem Verständniss nicht allzu sehr entgegenkommt. Der Gedankengang des Aufsatzes ist nach meiner Auffassung der folgende: "Die Vulkane schleudern mit fein vertheilter Asche auch "grössere Wassermassen in die höheren Luftschichten, die dort "mechanisch suspendirt bleiben und von Winden über grosse "Areale verbreitet werden. [...] Die Interglacialzeiten sind hervorgerufen durch "Schwankungen in der vulkanischen Thätigkeit, sowie durch Einbrüche der uuter dem Eis liegenden Erdschichten, die das "Meer vordringen lassen." Einwendungen, welche sich gegen die letzteren Angaben erheben Hessen, sollen hier ganz ausser Betracht bleiben. Meine Bemerkung richtet sich ausschliesslich gegen den ersten Satz der Schlussreihe, mit dem alles Folgende steht und fällt. Wenn es nämlich auch sicher ist, dass die durch vulkanische Explosionen in höhere Schichten der Atmosphäre geschleuderten Staubmassen durch Winde weit vertragen werden, so ist doch keinerlei Beobachtung dafür beigebracht, dass für die mitgerissenen Wassermassen das gleiche gilt.