Original paper

Ueber junge Hebungen in der Hudsonbai.

Ochsenius, Carl

Kurzfassung

Das Gelände, welches diese seichte Bucht umgiebt, ist in fortschreitender Aufwärtsbewegung begriffen und lässt vermuthen, dass die ganze Bucht in wenigen Jahrhunderten verschwinden wird. Die Grenze des Hebungsgebietes scheint, wie ich einem Referat aber die Untersuchungen des nordamerikanischen Staatsgeologen Gilbert entnehme, seewärts vom Nordufer der grossen Lakes Ontario, Huron und Superior, die ja von der Längsaxe der Jamesbai, der südlichen Ausbuchtung der Hudsonbai, getroffen werden, herzulaufen. Hiernach steigt das Land, und infolgedessen sinkt das Seeniveau in der nördlichsten Georgiabucht des Huronsees um 0,3 m im Jahrhundert. Dagegen macht sich südwärts von jener Region eine Senkung schon bemerklich. Die Südküste des Ontario wird langsam überflutbet, das Wasser ist dort im Laufe des letzten Jahrhunderts um 0,2-0,25 m gestiegen, und nahezu dieselben Zahlen, d.h. 0,25 und 0,3 m, beobachtet man bei Chicago und Milwaukee am Südende des Michigan. Das Hebungsgebiet gehört der laurentischen Schwelle an, die sich im Südwesten, Süden und Südosten bogenförmig um die Hudsonbai zieht und vom Athabasca-See bis nach Neu-Fundland reicht. Jüngere Eruptivgesteine treten in derselben zuerst beim Lake Superior auf und werden bis nach Neu-Fundland und Neu-Schottland hin angetroffen. Man kann sie wohl mit der Hebung in Verbindung bringen, um so eher als es südlich von den grossen Seen keine dergleichen giebt, sie also nur in dem Gebiete der Aufwärtsbewegung vorkommen. Schreitet mit dieser die südlich von ihr constatirte Senkung in der angegebenen Weise fort, so wird in 500 Jahren die grosse Weltstadt Chicago einen Theil des Michigansees ausmachen.