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Der Vulkan Las Pilas in Nicaragua.

Sapper, Carl

Kurzfassung

Unter den zahlreichen, eng zusammengedrängten Vulkanen der Maribios-Reihe in Nicaragua ist der Vulkan Las Pilas einer der interessantesten, theils wegen seines ziemlich complicirten Baues, theils wegen der Aufsehen erregenden Eruptionen vom 13. April 1850 und vom 14. November 1867, welche zur Neubildung kleiner Aschen- und Schlackenkegel auf seiner westlichen Abdachuug geführt haben. Ueber den erstgenannten Ausbruch berichtete E. G. Squier, über den letzteren der damalige amerikanische Gesandte für Nicaragua, M. Dickson, in einem officiellen Berichte an den Staatssecretär M. Seward; einen Auszug aus beiden Berichten gab Carl Von Seebach in seinem nachgelassenen Werke, während die beiden französischen Geologen A. Dollfus und E. De Montserrat Mr. Dickson's Bericht fast wörtlich in französischer Uebersetzung mitgetheilt haben. Geben diese Berichte auch ein ziemlich gutes Bild von den damaligen Vorgängen, so sind sie doch gänzlich ungenügend zur Kennzeichnung der Rolle, welche die neugebildeten Kegelchen im Vergleich zum Hauptvulkan und dessen älteren parasitischen Auswüchsen spielen. Es war deshalb schon bei meinen früheren Besuchen der Republik Nicaragua (1897 u. 1898) mein Wunsch gewesen, diese Eruptionsstellen persönlich kennen zu lernen und zugleich ein Bild von den morphologischen Eigentümlichkeiten des Hauptvulkans zu gewinnen; aber erst im Mai 1899 gelang es mir, diesen Wunsch auszuführen, und ich gebe im Folgenden kurz meine Beobachtungen wieder, da der Berg bisher ganz ungenügend bekannt gewesen ist. Karl V. Seebach musste im Januar 1865 von einer Besteigung des Berges absehen, da er keinen Führer dafür finden konnte, und musste sich deshalb auf eine Skizze der Umrisslinien aus weiter Entfernung (von der Stadt Leon aus) beschränken.