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Über die in der Gliederung zum Ausdruck gelangende bisherige Kenntniss vom thüringischen Diluvium.

Zimmermann, Ernst

Kurzfassung

Die Erforschung des thüringischen Diluviums ist lange Zeit arg vernachlässigt worden. Einerseits nahmen noch die älteren Formationen die Hauptaufmerksamkeit in Anspruch, andererseits glaubte man lange Zeit keine feinere Altersgliederung des Diluviums herausfinden zu können und legte der petrographischen Glie-derung keinen solchen Werth bei, dass man sich mit der genauen Abgrenzung der diluvialen Bildungen sowohl gegen einander wie gegen die älteren Bildungen hätte Mühe zu geben brauchen. So sind einerseits vielfach lehmige Verwitterungsböden, besonders solche von Muschelkalk und Keuper, als Diluviallehm kartirt und dieser ist somit in weiterer Verbreitung gezeichnet als wie ihm gebührt, andererseits hat man ihn, um gewisse Untergrunds-Verhältnisse besser darzustellen, abgedeckt und somit wieder ungehörig eingeschränkt; ebenso hat man die Verbreitungsgebiete diluvialer Schotter nicht selten ausgedehnt über solche Flächen, auf die der Schotter nur nachträglich zufolge Herabschwemmung am Bergabhange gekommen ist, und sie wieder ganz unberücksichtigt gelassen an vielen solchen Stellen, wo kein zusammenhängendes Lager davon mehr übrig ist, sondern nur noch "verstreute Gerölle". - Ein weiterer Fehler mancher früherer Forscher war auch der, dass sie - um von einer Trennung von Löss und Lehm ganz zu schweigen - als "Geschiebelehm" auch solchen - an und für sich wohl geschiebefreien - Lehm bezeichneten, der in dünner Lage auf Schotter auflagerte und darum z.B. durch die Thätigkeit des Pfluges scheinbar geschiebeführend geworden war. Dass eine Ersetzung eines solchen Namens "Geschiebelehm" durch "Gebilde der Glacialzeit", wie es Lepsius auf seiner geolog. Karte von Deutschland gethan hat, ein bedenklicher Missgriff an vielen Stellen sein musste, ist klar.