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Über die Beobachtungen Prof. Russel's am Malaspinagletscher und Über die Bedeutung derselben für die Glacialgeologie und insbesondere für die Frage nach der Entstehung der Åsar.

Keilhack, Konrad

Kurzfassung

Der Besuch der finnländischen Åsar seitens des internationalen Geologen-Congresses und der hinterpommerschen Åsar bei Gelegenheit der Jahresversammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft in Berlin hat gezeigt, dass die Ansichten über die Entstehung dieser langgestreckten, grösstentheils in der Bewegungsrichtung des Eises liegenden Kieshügel noch weit auseinander gehen. Am Malaspinagletscher hat nun Russel Gelegenheit gehabt, die Entstehung Åsar-artiger Bildungen so zu sagen in statu nascenti zu studiren. Mit dem Namen Malaspinagletscher bezeichnen die Amerikaner ein ungeheures Eisfeld, welches durch aus dem St. Eliasgebirge herabkommende, grosse Gletscher erster Ordnung gebildet wird und in einer Mächtigkeit bis zu 500 m die Ebene zwischen dem Gebirge und der Küste des Pacifischen Oceans in einer Breite von 10 Meilen überkleidet. Diese Eismasse bietet den aus dem Gebirge herauskommenden Strömen und Bächen nicht die Möglichkeit einer oberirdischen Entwässerung, sondern nimmt sie durch grosse, hochgewölbte Thore in sich auf, um sie auf ihrem Grunde in geschlossenen Kanälen an den Eisrand zu führen. Wo diese grossen Flüsse dem Eisrand entströmen, lagern sie sehr erhebliche Mengen von Sand und Kies ab, versperren damit ihren eigenen Weg, verlegen ihr Bett in ein höheres Niveau und müssen schliesslich, bergauf fliessend (was natürlich nur möglich ist, wenn das Wasser wie in communicirenden Röhren sich unter starkem Druck bewegt), ihre unter dem Eise gelegenen Betten verlassen. Dieser selbe Process wird sich natürlich auch in den Kanälen unter dem Eise selbst vollziehen. Durch Aufschüttung wird das Flussbett erhöht, das Wasser wirkt schmelzend auf die Decke der Kanäle ein und erweitert so den Kanal immer mehr nach oben, während er sich nach unten bin mit Sand und Kies anfüllt.