Original paper

Eine Kriechspur von Acanthoteuthis aus dem Solnhofener Plattenkalk vor.

Jaekel, Otto

Kurzfassung

Dieselbe ist in beistehender Textfigur etwa in 2/3 Grösse abgebildet. Das Original befindet sich als Platte und Gegenplatte in der geologisch-paläontologischen Sammlung des kgl. Museums für Naturkunde in Berlin. Die Platte zeigt in einer Reihe zwei vollständige und zwei unvollständige Gruppen von Eindrücken. Die letzteren gleichen im Einzelnen durchaus den Abdrücken, welche die Krallen an den Armen von Acanthoteuthis speciosa Münst. im Solnhofener Plattenkalk hervorrufen; von der Conchyolin-Substanz der Krallen selbst ist nirgends eine Spur zu bemerken. Die spirale Anordnung dieser Eindrücke schloss von vornherein die Möglichkeit aus, dass die Eindrücke von einem einfach auftretenden Thiere herrührten, da es Füsse mit solcher spiral gebauten Sohle nicht giebt und auch schwerlich geben kann. Die spirale Lage der Eindrücke konnte aber auch sehr wohl hervorgerufen werden durch die allmähliche Auflagerung eines biegsamen Bewegungsorganes, wie es die Füsse der Tintenfische sind. Da nun, wie gesagt, die Einzeleindrücke auf die Krallen von Acanthoteuthis verweisen, kann wohl gegen die Deutung des Objectes als Kriechspur einer derartigen Form nichts eingewendet werden. Wie alle Kriechspuren hat auch diese ein besonderes Interesse, weil sie etwas von der Lebensweise eines fossilen Thieres verräth. In unserem Falle können wir daraus nicht nur die Bewegungsart feststellen, sondern auch einen Rückschluss auf die morphologische Entwickelung der Tintenfische überhaupt ziehen. Die formale Entwickelung dieser Gruppe beruht einerseits auf der Specialisirung der Arme und andererseits auf die Rückbildung des Schulpes als Rest der Cephalopodenschale. Beide Momente dürften auf dieselbe biologische Ursache zurückzuführen sein, eine durch stetige Uebung verbesserte Kriechfähigkeit auf dem Boden.