Original paper

Über Kreide und Eocän bei Pinguente in Istrien.

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

Als ich im verflossenen Frühjahre Graz berührte, hatte Herr Professor Hörnes die Freundlichkeit, mich auf eine Reihe von Jüngeren Petrefacten aufmerksam zu machen, welche das paläontologische Institut dieser Universität aus dem Süden der Monarchie erworben hatte. Es befanden sich darunter sehr interessante Vorkommnisse aus dem Eocän der Herzegowina, über welche ich bereits an anderem Orte berichtet habe; es waren weiter darunter Kreide- und Eocän - Fossilien aus der Umgegend von Pinguente in Istrien, über welche hier einige Mittheilungen gemacht werden sollen. Ich hatte dann später Gelegenheit, den Fundpunkt selbst - allerdings nur flüchtig und vom Wetter wenig begünstigt - aufzusuchen und von dem dortigen Sammler, einem inzwischen nach Görz verzogenen Lehrer J. Visentini, die hier vorzulegenden Petrefacten zu erwerben; einen kleineren Theil der Stücke habe ich selbst an Ort und Stelle gesammelt. Die weissen, zuckerkörnigen Kalke der Kreide, bei denen die Hohlräume der Fossilien stets von Krystallen erfüllt sind, liegen an dem Porta di Ferro im Quietothale unmittelbar westlich von Pinguente und von dort etwa eine Stunde entfernt. Die fossilführende Schicht befindet sich dicht an der Fahrstrasse in geringer Entfernung unter dem hier anscheinend an einer Verwerfung abgesunkenen Eocän, welches die Mulde um Pinguente erfüllte. Es handelt sich um einen sattelförmigen Aufbruch von geringer Ausdehnung, der weiter im Westen von den Ligniten der Cosinaschichten, die früher abgebaut wurden, bedeckt wird. Von den in der Kreide recht häufigen Fossilien sollen hier nur die geologisch wichtigen vorgelegt und besprochen werden, da die paläontologische Bearbeitung des Stoffes, zumal der reichen in Graz befindlichen Anfsammlungen von Herrn Dr. Redlich in Leoben übernommen wurde.