Original paper

Über den Rhätikon und die grosse rhätische Ueberschiebung.

Rothpletz, August

Kurzfassung

Der Zeitraum von 1853 bis 1864 ist für die geologische Erforschung des Rhätikon besonders wichtig gewesen, and unsere heutige Kenntniss dieses Gebirges beruht noch immer hauptsächlich auf den in jener Zeit ausgeführten Arbeiten von Escher v. D. Linth (1853), v. Richthofen (1859-61) und Theobald (1864). Die Tektonik dieses Gebirges hat durch v. Richthofen eine sehr klare Darstellung erhalten, in der auch heute noch die Schilderung einer Ueberschiebung auffallen muss, durch welche die gewaltigen Triasberge des Rhätikon gegen Norden und Westen über den aus Flysch bestehenden Gebirgssockel heraufgeschoben worden sind. Diese Ueberschiebung hat damals aber jene Beachtung, die sie verdiente, nicht gefunden, und ihre Existenz ist sogar 1873 von v. Mojsisovics, dem wir eine geologische Karte des Rhätikon verdanken, in Abrede gestellt worden. Nach seiner Auffassung ist der Flysch am Fasse des Triasmassivs discordant angelagert, fällt aber nicht unter dasselbe ein, sondern "überfluthet" stellenweise sogar die Triasschichten. Die von dem Redner im Sommer 1898 ausgeführten Untersuchungen haben denselben überzeugt, dass jene Ueberschiebung doch besteht und zwar nicht nur auf der West- und Nord-, sondern ebenso auch auf der Südseite des Rhätikon. Die stattlichen Dolomit- und Kalkberge der Zimbaspitze, des Alpilla- und Gallinakopfes, der Drei Schwestern, der Scesaplana, der Drusen- und Sulzfluh sind auf einer von Ost nach West ansteigenden Fläche über eine basale, aber jüngere Gebirgsmasse heraufgeschoben.