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Erläuterungen zu der geologischen Excursion auf die Seiser Alp und den Schlern.

Rothpletz, August

Kurzfassung

Das Hauptinteresse, welches diese Excursion für jeden Geologen hat, bietet der gewaltige und rasche Facieswechsel, von dem sämmtliche Ablagerungen der Trias zwischen den Werfener Schichten (Buntsandstein) und dem Dachsteindolomit (Rhät) hier auf ganz kurze Entfernung erfasst werden. Während dieselben auf der Südseite, am Schlern selbst, fast ausschliesslich nur aus Dolomit bestehen, ist an dessen Stelle auf der Nordseite, auf der Seiser Alp, Kalkstein, Mergel, Melaphyr und Melaphyrtuff getreten, und Dolomit kommt nur ganz untergeordnet vor. Leicht wandert man in einem Tage von der einen zur anderen Seite, und man sollte glauben, dass längst das Thatsächliche dieses Facieswechsels, die Art, wie der Dolomit von Süd nach Nord verschwindet und statt dessen Kalkstein, Mergel und Eruptivmassen sich einstellen, bekannt sei und feststehe und dass höchstens über Theoretisches, wie z.B. über die Dolomitbildung oder die Eruptionsweise des Melaphyrs, noch Bedenken und getheilte Meinungen bestehen könnten. Es erscheint dies um so natürlicher, als der Schlern seit langem die Geologen gleichsam magnetisch anzieht, seine Ersteigung keine besonderen Schwierigkeiten bietet, und wir zwei ausgezeichnete Arbeiten über denselben besitzen, die eine von v. Richthofen aus dem Jahre 1860, die andere von v. Mojsisovics aus 1878. Es hat sich aber gezeigt, dass trotzdem, wie wir soeben aus berufenem Munde gehört haben, selbst in stratigraphischer Beziehung noch ganz unerwartete Entdeckungen in diesem Gebiete zu machen sind und dass die bisherigen geologischen Karten nicht mehr auf gleicher Höhe mit den topographischen Karten stehen.