Original paper

Excursion nach Süd-Tirol

Rothpletz, August/Weber, Maximilian

Kurzfassung

Die unerwartet hereingebrochene Hochwasser - Katastrophe hatte die Abfahrt von München nicht unerheblich erschwert, weil die Bahnlinie zwischen Rosenheim und Fischbach am Ausgang des Innthales in die bayerische Hochebene zerstört worden war. So mussten wir von Rosenheim, wo wir um 9 Uhr morgens am Montag den 18. September eintrafen, mit Wagen nach Fischbach fahren und hatten dort einen unfreiwilligen Aufenthalt von 4 Stunden. Diese Zeit konnte doch zu einem lohnenden Spaziergange auf den Petersberg benutzt werden. Herr Max Schlosser, der in diesem Gebiete seit längerer Zeit Aufnahmen gemacht hat, übernahm freundlichst die Führung. Wir lernten eine auf engen Raum zusammgeschobene, steilstehende Mulde kennen, deren Nord- und Südflügel aus Hauptdolomit, und deren Kern aus Koessener Schichten, Jura und Kreide gebildet wird. Die Koessener Schichten sind z. Th. als dickbankige, hellfarbige Kalkbänke entwickelt, die grosse Megalodonten und Korallen einschliessen und den Typus des Dachsteinkalkes zeigen. Der Lias besteht vorwiegend aus hornsteinreichen, grauen Kalken, die von körnigen Crinoidenkalken aberlagert werden, in denen Versteinerungen des Dogger gefunden worden sind, eine scharfe petrographische Differenzirung von Unterabtheilungen aber nicht hervortrat. Die Kreide ist nur durch cenomane Mergel mit Orbitutina concava vertreten und liegt discordant auf den älteren Schichten - ein Lagerungsverhältniss, das für den Nordrand der Ostalpen das gewöhnliche ist. Gleichwohl ist sie in den alpinen Faltenbau noch mit einbezogen worden, weil dieser sich erst später, in der oligocänen Zeit, herauszubilden begonnen hat.