Original paper

Über die bodenbildende Thätigkeit der Insekten.

Keilhack, Konrad

Kurzfassung

In einem ausgedehnten Kies- und Schottergebiet in der Neumark in der Gegend von Reppen machte der Vortragende die eigentümliche Beobachtung, dass grosse Flächen, in denen der Boden dicht mit Kies, sowie kleinen und grossen Geröllen bedeckt ist, mit haarscharfen Linien an solchen Flächen abschneiden, in denen die Oberfläche vollkommen steinfrei ist, auch keine grandigen Beimengungen enthält, sondern ganz und gar aus feinen Sanden besteht. Die Grenze beider Flächen fällt genau mit Kulturunterschieden zusammen, indem nämlich die Kies- und geröllreichen Bildungen sich in solchen Flächen finden, die wirthschaftlich als Ackerboden benutzt werden, während die geröllfreien Sande auf Heideboden beschränkt sind, den seit vielleicht Jahrhunderten kein Pflug bewegt bat. Beobachtet man in letztgenanntem Gebiet einen der seltenen Aufschlüsse, so sieht man im Querschnitt, dass die von Kies und Steinen freie Sandschicht auf die äusserste Oberfläche beschränkt ist und in ihrer Mächtigkeit 2-4 dem kaum überschreitet. Darunter kommt eine Schicht von etwa 1 dein Mächtigkeit, die ganz und gar aus Kies und Geröllen besteht, und unter derselben folgt ein grandiger, geschiebereicher Sand von derselben Beschaffenheit, wie er in den der Kultur unterworfenen Gebieten bis an die Oberfläche sich findet. Dieser eigentümliche Unterschied erklärt sich in ungezwungenster Weise aus der Thätigkeit von erdbewohnenden Insekten und ihren Larven. Wenn man in einer langen Trockenperiode, wie sie der Frühsommer dieses Jahres (1899) bot, ein solches Heidegebiet aufmerksam betrachtet, so sieht man, dass der Boden an zahllosen Stellen die Oeffnungen von Wohngängen von Insekten und Insektenlarven trägt, und man sieht um diese Oeffnungen herum in flachen Hügeln oder in steilen, schlotförmigen oder kraterförmigen Formen feinen Sand, den das grabende Insekt aus dieser Oeffnung herausbefördert hat.