Original paper

Über Scheibenfugen und Strahlenfiguren in ungebrannten ägyptischen Ziegeln, entsprechend der sog. Actinopteris peltata Göpp. sp. des Rhät.

Blanckenhorn, Max

Kurzfassung

Ich möchte mir heute erlauben, Ihnen einige Bemerkungen über eigentümliche pflanzenblattartige Sternfiguren in ägyptischen Schlammziegeln vorzutragen, die meiner Meinung nach die Folge von Eintrocknung und Zerreissung sind. Ich weiss nicht, ob ich mit diesen Mittheilungen besonders Neues bringe, indem vielleicht einer oder der andere unter den Geologen schon längst ähnliche Beobachtungen gemacht hat. In diesem Falle bitte ich um gütige Mittheilung derselben sowie besonders auch etwaiger anderer Erklärungen der Genese der betreffenden Gebilde. Im Jahre 1897 war der Ausgangspunkt meines Kartirungsgebietes auf dem rechten Nilufer südlich Heluan der Ort Tebin. Dort am 5. October gegen Mittag angekommen, schlug ich an der Grenze der Wüste gegen das Kulturland meine Zelte auf und verwandte den Rest des ersten Tages zu Recognoscirungen in der näheren Umgebung. Die Wüstenebene ist hier an der Mündung des Wadi Tebin, das aus dem östlichen Eocänkalkgebirge kommt, theils von Geröll, theils von Alluvialschlamm bedeckt, einem ockerfarbenen Thonmergel, dessen Oberflächenkruste in viele polyedrische Felder zersprungen ist, die sich schalenartig an den Rändern emporwölben. So bieten sich dem Auge auf der Erdoberfläche lauter concave Schlammscherben, die mit Thongefässtrümmern oder eigentlichen Scherben überraschende Aehnlichkeit haben. Ans solchem quarzfreien Mergelschlamm sind nun auch die Häuser oder Hatten der Fellahen aufgebaut. Die Ruinen eines grossen zerfallenen Hauses enthielten theils schwach gebrannte Ziegel, theils ungebrannte, die entweder aus reinem Mergelschlamm bestanden, oder denen feingeschnittenes Stroh oder Häcksel beigemengt war.