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Die regenfeuchte Tropeuvegetation und ihre geologische Bedeutung.

Sapper, Karl

Kurzfassung

Redner hat in 12jährigem Aufenthalt die Vegetations-Verhältnisse von Mittel-America und Süd-Mexico und ihren geologischen Einfluss kennen gelernt. Im Gebiet der Savanen und Dorngesträuch-Formationen ist während der Trockenzeit die verfrachtende Arbeit des Windes, sowie die directe Insolation von geologischer Wichtigkeit, zu Beginn der Regenzeit die abspülende, während der ganzen Regenzeit die erodirende Thätigkeit des Wassers nebst der mechanischen und chemischen Thätigkeit der Wurzeln. Das Gebiet der Kiefern- und Eichenwälder ist durch mässige Abtragung, mässige Verwitterung und geringen Absturz lockerer, oberflächlicher Materialien gekennzeichnet und steht den Verhältnissen der gemässigten Zone ziemlich nahe. In den regenfeuchten Urwäldern der Tropen herrscht ein eigentümlicher Wasserhaushalt, der auf Herabsetzung der spülenden Thätigkeit des Wassers hinausläuft. Der etagenförmige Aufbau des gesammten Urwaldes, sowie die ungefähr treppenförmige Anordnung der Blätter der an Baumstämmen angesiedelten Kletterpflanzen setzen die lebende Kraft der niederfallenden Regentropfen auf ein Minimum herab, die Lianen und Luftwurzeln setzen die fallende Bewegung in eine gleitende um und schwächen dadurch die spülende Wirkung ab, während manche Pflanzen, namentlich epiphytische Bromeliaceen in ihren Blättrosetten, einen Theil des Regenwassers zurückhalten und von der Circulation ausschliessen. Diese kleinen, offenen Wasseransammlungen erhalten die hohe Luftfeuchtigkeit im Innern des Urwalds, der durch ziemlich dichten, seitlichen Abschluss gegen die äussere Atmosphäre abgeschlossen bleibt. Der Urwald pflegt selbst auf steil geneigtem Gehänge (bis über 70º Neigung) seine schützende Rolle auszuüben, während an noch steileren Abhängen kleine Farne, Selaginellen, Moose, Gräser und andere Pflanzen den directen Anprall der Wassermassen abhalten. Nur sehr steile Kalk- und Quarzitwände trifft man vegetationslos an.