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Beiträge zur Morphologie und Phylogenie der Lamellibranchier.

Philippi, Emil

Kurzfassung

Wir dürfen beute wohl als gesichert annehmen, dass die Monomyarier im Palaeozoicum aus Heteromyariern entstanden sind. Wie sich diese Abzweigung im einzelnen vollzog, ist in der Mehrzahl der Fälle noch nicht aufgeklärt, da wir meist die unmittelbaren Vorfahren der bereits bei ihrem ersten Auftreten scharf voneinander getrennten Monomyarier-Familien nicht kennen. Jedoch dürfen wir aus dem Mangel oder der grossen Seltenheit von vermittelnden Typen wohl mit Recht schliessen, dass sich die Umformung der Heteromyarier in Monomyarier rasch, vielleicht sprungweise vollzog. Nachdem die Monomyarier sich einmal von der Heteromyarier-Gruppe abgezweigt haben, verhalten sie sich ganz ausserordentlich conservativ; Frech und Andere haben auf diese bemerkenswerthe Eigenthümlichkeit bereits hingewiesen. Die Structur der Schale, die für einzelne Monomyarier-Familien sehr bezeichnend ist, Ändert sich meines Wissens niemals, ebensowenig die Form des Mantelrandes (mit einer noch fraglichen Ausnahme bei den Limiden), die Lage des Schliessmuskels etc.; man ist daher wohl auch zu der Annahme berechtigt, dass das Thier von Ostrea, Pecten oder Lima im Mesozoicum im wesentlichen dieselben Merkmale anfwies wie das recente. Auch hinsichtlich der Sculptur verhalten sich manche Familien, besonders die Spondyliden, aber auch die Austern und Anomien ziemlich conservativ. Die Pectiniden weisen hingegen in ihren accessorischen Schalencharakteren, zu denen ich, im Gegensatz zu der inneren Structur der Schale, ihre Grösse, das Maass der Aufwölbung, Sculptur und Färbung rechnen möchte, eine selbst bei den Heteromyariern nicht bekannte Mannigfaltigkeit und, im Zusammenhang mit dieser stehend, Veränderlichkeit auf. Diese Eigenthümlichkeit der Pectiniden erklärt es, dass sie vielfach, besonders im Tertiär, die Rolle von Leitfossilien spielen und die Ammoniten des Mesozoicum ersetzen helfen.