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Das Vordringen des nordischen Inlandeises in die Grafschaft Glatz in Schlesien.

Dathe, Ernst

Kurzfassung

Das grossartigste Phänomen in der jüngsten Erdgeschichte ist anstreitig die diluviale Eiszeit. Gewaltige Eismassen dringen von Skandinavien und den russischen Ostseeländern nach W. und S. vor, bedecken die nordeuropäische Tiefebene und ersteigen in Deutschland die Mittelgebirge, wie den Harz, den Thüringerwald, das Erzgebirge und die Sudeten an deren nach N. gekehrten Abdachungen bis zu beträchtlichen Höhen; letztere betragen 400-500 m; ja an einzelnen Punkten, so namentlich in den Sudeten, finden sich erratische Blöcke bis 560 m Meereshöhe. Zur selben Zeit gewinnen die alpinen Gletscher eine gewaltige Ausdehnung, und die meisten jetzt gletscherfreien Mittelgebirge Europas tragen ihre eigenen Gletscher. Die Südgrenze der nordischen diluvialen Vergletscherung ist gekennzeichnet durch die Verbreitung ihrer Grundmoränen, der Geschiebelehme und -mergel und ihrer Ausschlämmungsproducte: der Sande, Grande und Thone nebst erratischen Blöcken. Der Verlauf der Südgrenze des nordischen Diluviums und somit der diluvialen Vergletscherung ist namentlich in Deutschland durch Specialkartirung gut erforscht. In den nördlichen Sudeten haben meine geologischen Aufnahmen in Schlesien die Südgrenze des nordischen Diluviums festgelegt; sie stellt eine vielfach gebogene Linie dar, die an vielen Stellen weit nach W. und SW. in das Gebirge eingreift. Das tiefe Eindringen des nordischen Diluviums ist zunächst im Isergebirge hervorzuheben, wo es im Friedeberger Kessel bis nahe Flinsberg und bis zu 400 m Meereshöhe vordringt. In derselben Weise greift es weit westlich in das Riesengebirge ein, indem es den grössten Theil des Hirschberger Kessels erfüllt und auskleidet.