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Excursion bei Bad Nauheim am Sonntag den 16. Sept., unter Führung.

Lepsius, Richard

Kurzfassung

Die Theilnehmer der Excursion versammelten sich morgens am Bahnhofe Bad Nauheim und bestiegen zunächst die nahe liegende Höhe am Goldstein zwischen Usa- uud Wetterthal, um die weite Umschau zu gewinnen, welche sich von diesem Punkte aus über die ganze Umgegend von Nauheim und über die Wetterau, vom Winterstein bis zum Hansberg bei Butzbach und bis zum Vogelsberg bietet. Herr Lepsius erklärte von hier aus den geologischen Aufbau des Gebietes: Die Ausläufer des Taunuskammes endigen hier im Osten mit dem Winterstein, 518 m, und dem bis Nauheim vorspringenden Johannisberge, 268 m, welche beiden Berge wesentlich ans den unterdevonischen Taunusquarziten bestehen. Am Südfusse des Johannisberges ist eine Scholle mitteldevonischen Stringocephalen-Kalkes niedergebrochen. Auf der Grenze zwischen dieser Kalkstein-Scholle und dem unterlagernden Thonschiefer steigen die 32° C. warmen Soolquellen und die Kohlensäure der Nauheimer Sprudel aus der Tiefe herauf. Die abgesunkene Scholle fällt mit 78° in SSO. ein; sie ist in Nauheim bedeckt von 30-40 m mächtigen, horizontal liegenden pliocänen und diluvialen Ablagerungen; sie streicht unter diesen jüngeren Formationen nach Ono. aus dem Usa- in das Wetterthal hinüber: oberhalb Wisselsbeim an der Wetter brechen im Thalboden dieselben Sool- und Kohlensäure-Quellen auf wie im Usathale bei Nauheim. Es scheint, dass in der Wetterau und am Südrande des Taunus, gerade wie in der Eifel, die Kohlensäure-Quellen gebunden sind an die in die Tiefe absinkenden mitteldevonischen Kalkstein-Schollen; und dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass so grosse Quantitäten Kohlensäure, wie sie in den genannten Gegenden der Erdtiefe entströmen (in Nauheim etwa 4000 cbm Kohlensäure täglich, ohne die Soolwasser zu rechnen), nur durch Zersetzung von Kalkstein durch die Erdlaven entstehen können.