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Bericht über die Excursion nach Frankfurt a./O. am 10. und 11. November.

Keilhack, Konrad

Kurzfassung

Die von dem obengenannten Führer der Excursion in den Jahren 1899 und 1900 bearbeitete Gegend von Frankfurt a./O. bietet eine Folie des geologisch Interessanten. Es hat sich gezeigt, dass hier fast vor den Thoren der Reichshauptstadt eine Anzahl von Erscheinungen sich beobachten lassen, zu deren Studium sonst der Besuch verschiedener entlegener Gebiete erforderlich war. Nach einem einleitenden Vortrage in der November-Sitzung der deutschen geolog. Gesellschaft fand eine von etwa 40 Theilnehmern besuchte Excursion in das Gebiet am 10. und 11. November 1900 statt. Die Stadt Frankfurt liegt am westlichen Gehänge des Oderthales, an einer Stelle, wo dasselbe sich auf eine Breite von nur 11/2 km verengt. Diese Verengung fallt zusammen mit einem Stücke des Oderlaufes, in welchem derselbe von Norden nach Süden gerichtet ist, wahrend er vorher einen ost-westlichen, nachher einen von Südosten nach Nordwesten gerichteten Lauf besitzt. Dieses verhältnissmässig schmale, zwischen 11/2 und 6 km Breite wechselnde Nordsüdstück des Oderthales steht in scharfem Contraste zu den beiden im Norden und Süden sich anschliessenden Stücken, in denen die Thalbreite zwischen 20 und 30 km betragt. Jene beiden ostwestlichen Theile des Stromlaufes gehören zwei glacialen Urstromthälern an, nämlich dem Warschau-Berliner Thale im Süden und dem Thorn-Eberswalder Thale im Norden, und das Thalstück, welches beide verbindet, galt früher als eines der so schwierig zu erklärenden Durchbruchsthäler. Heute wissen wir, dass dieses Thalstück eine subglaciale Rinne darstellt, in welcher die Schmelzwasser des grossen Odergletschers nach Süden in das Warschau-Berliner Hauptthal hin abflössen, zu einer Zeit, in welcher der Rand des sich zurückziehenden letzten Inlandeises auf jener Hochfläche lag, die im Osten als das Land Sternberg und im Westen als das Land Lebus bezeichnet wird.