Original paper

Reisenotizen aus Ost-Asien.

Boehm, Georg

Kurzfassung

Gestatten Sie mir im Anschluss an meinen vorigen Brief vom 28. Februar 1900 einige weitere Mittheilungen. Ursprünglich war es meine Absicht, von Thursday Island in den Torres straits direct nach Java zu fahren. Allein die betreffenden Verbindungen sind sehr mangelhaft. So reiste ich denn von der genannten Insel über Manila, Hongkong, Bangkok hierher, wo ich seit 12 Tagen die liebenswürdige Gastfreundschaft des Herrn Verbeek geniesse. In Manila befinden sich allgemeine Sammlungen sowohl im Collegio de Santo Tomas als auch im Museo de los padres S. J., im Ateneo municipal de Manila. Erstere sind schlecht beleuchtet und in ziemlicher Unordnung. Ich sah z. B. gewöhnliche, europäische Kreidefossilien als Pariser Tertiär bezeichnet. Versteinerungen der Philippinen vermochte ich nicht zu entdecken. Im Jesuiten Museum dagegen ist eine schöne und gut geordnete Conchylien-Sammlung sowie etwas einheimisches Tertiär. Geologische Reisen in den Philippinen würden bei den obwaltenden, höchst unruhigen Zuständen kaum möglich sein. In Hongkong ist ein kleines Museum mit meist zoologischen Gegenständen. In Macao und Canton sind mir naturwissenschaftliche Sammlungen nicht bekannt geworden. Auch in Bangkok ist wenig vorhanden. Ich hatte in Sidney von maassgebender Seite gehört, dass die siamesische Regierung vor Jahren eine geologische Landesaufnahme geplant habe. Zur Zeit ist davon wohl nicht mehr die Rede. Es befindet sich in Bangkok ein ,Royal department of mines and geology" unter Leitung des Engländers Herrn H. G. Scott. Die betreffende Sammlung ist unbedeutend. Herr Scott war zur Zeit nicht anwesend, das Vorhandensein von Fossilien wurde bestritten. Nach langem Suchen entdeckte ich den Steinkern einer grossen Mytilus-Form. Den Fundort konnte ich nicht feststellen.