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Geognostisches Profil vom Nil zum Rothen Meer.

Fraas, Eberhard

Kurzfassung

Man bezeichnet im Allgemeinen denjenigen Theil Aegyptens, welcher sich zwischen dem Nil und Rothen Meer ausbreitet, als die ,ägyptisch-arabische Wüste", ein wasserarmes und infolge dessen steriles Gebiet, das nur von mehr oder minder nomadisirenden Beduinen bewohnt wird, welche dort mit ihren kleinen Ziegenherden ein kümmerliches Dasein fristen, soweit sie es nicht vorziehen, mit Kamelen den Handelstransport zwischen dem Nillande und der Küste des Meeres zu betreiben. Im Norden etwa bis zum 25. Breitegrad reichend leben die 'Ababde-Beduinen, ein im Ganzen friedfertiges und ruhiges Volk, während der südliche Theil von dem mehr kriegerischen Beduinenstamme der Bichain eingenommen wird. Topographisch und dementsprechend auch geologisch ist dieses Gebiet charakterisirt durch einen mächtigen Gebirgszug von älteren z. Th. krystallinischen Gesteinen, welcher von Süd nach Nord streicht und den nördlichen Ausläufer der Gebirgsgegend des Etbai bildet. Während aber noch im Süden bei Assuan, ebenso wie weiter südlich die krystallinen Gesteine bis zum Nilthal reichen und den ganzen breiten Strich zwischen dem Nil und Rothen Meer einnehmen, wird der Gebirgszug im weiteren Verlaufe nach Norden schmaler und erscheint mehr gegen Osten gedrängt, bis er schliesslich am Kloster St. Paul in der südlichen Gallala-Wüste sein Ende erreicht. Zwischen diesem Streifen älterer Gebirgsarten und dem Nil einerseits breitet sich ein weites Wüstengebiet aus, das aus den jüngeren Formationen der Kreide und des Eocäns aufgebaut ist, ebenso wie andererseits im Osten zwischen der Küste und dem Gebirge ein schmales Band jüngerer Schichten übrig geblieben ist, aus welchem nur vereinzelte Höhen und Gebirgskämme des älteren Gebirges aufragen.