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Die Opferkessel des Riesengebirges sind keine Eiszeitspuren.

Crammer, Hans

Kurzfassung

Nach dem XIII. Deutschen Geologentag zu Breslau führte Prof. J. Partsch eine Excursion zu den von ihm entdeckten, unzweifelhaften Spuren localer, kleiner Vergletscherungen des Riesengebirges. Am letzten Tage der dreitägigen Wanderung, am 2. Juni 1901, wurden die Opfersteine von Agnetendorf besichtigt und von den Herren Professoren Milch-Breslau, J. Partsch-Breslau, F. Regel-Würzburg, F. Wahnschaffe-Berlin und dem Verfasser eingehend untersucht. Der Befund war folgender: Eine niedrige, mit Wald bestandene Kuppe wird durch anstehenden, kahlen Granitit gekrönt, der ein kleines, steil abfallendes Plateau bildet. In die Plattform eingesenkt befinden sich die sogen. Opferkessel, welche vom Volke und auch von Karl Friedrich Mosch als für zu Kultzwecken künstlich hergestellte Werke, von G. Berendt aber als Gletschertöpfe angesehen werden. Die Kessel sind Vertiefungen von verschiedenen Ausmaassen und auch von abweichender Gestalt. So sahen wir runde, flachwannenförmige Vertiefungen, die bis zu 1 m Durchmesser hatten. Andere Wannen waren wieder oberflächlich unregelmässig begrenzt, aber ihr Boden zeigte bereits eine kreisförmige Rundung. Weit mehr ausgetiefte Kessel erinnerten durch ihre bedeutendere Tiefe und ihre cylindrische Gestalt an Strudellöcher, was besonders von dem in der Richtung gegen die Mädelwiese ganz am Plateaurande befindlichen 1,5 m tiefen Kessel gilt. Es wurden aber in keinem Kessel Glättungen oder spiralförmige Windungen wahrgenommen, wie sie echte Strudellöcher häufig aufweisen. Doch die rauhe Beschaffenheit der Wandungen und des Bodens spricht insofern nicht gegen die Deutung der Opferkessel als Strudellöcher, weil die Glättung möglicherweise nachträglich durch Verwitterung verloren gegangen sein kann.