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Neues zur Geologie und Paläontologie Aegyptens.

Blanckenhorn, Max

Kurzfassung

III. Das Miocän. Mit dem Miocän treten wir in Aegypten in eine ganz neue Gruppe von Ablagerungen, welche sich von den bisher geschilderten sowohl durch völlig andere (auf Regionen geringer heutiger Meereshöhe beschränkte) Verbreitung als durch das Lagerungsverhältniss zum älteren Gebirge unterscheiden. Es fand nicht mehr eine regelmässige Auflagerung auf den jeweilig jüngsten Sedimenten statt wie früher in dem Zeitabschnitt von der Oberen Kreide bis zum Oligocän, sondern nur Anlagerung am Fusse oder an den Gehängen der Tafelberge oder der Hochplateaus. Diese-Gruppe setzt sich aus den Neogen- und Quartärbildungen zusammen. Wir fassen zunächst das Miocän in's Auge. Ablagerungen aus dieser Tertiärepoche erstrecken sich über den ganzen Nord- und Ostrand der ägyptischen Wüsten von der Cyrenaika bis zum Rothen Meer. Alter der ägyptischen Miocänbildungen. Drei Stufen des Miocäns sind nach meiner Auffassung in Aegypten vertreten: Erstens das obere Untermiocän, Langhien oder Burdigalien, entsprechend der Zeit der höheren Ablagerungen der I. Mediterranstufe oder der Horner Schichten in Oesterreich; zweitens das untere Mittelmiocän oder die tiefere Hälfte der II. Mediterranstufe, des Helvétien, Vindobonien oder der Grunder Schichten im Wiener Becken; endlich eine noch jüngere fragliche Miocänstufe von nicht genau bestimmtem Alter, möglicherweise zum Obermiocän oder Tortonien gehörig. Leider reichen die bisherigen Nachrichten nicht überall aus eine reinliche Scheidung zwischen den zwei tieferen Stufen zu bewerkstelligen, namentlich nicht in der östlichen oder Arabischen Wüste, wo ganz sicher bisher nur die mittlere nachgewiesen ist, obwohl grosse Wahrscheinlichkeit besteht, dass auch die tiefere vertreten ist.