Original paper

Über Pseudogeschiebelehm von Holzen am Ith

Menzel, Hans

Kurzfassung

Herr Menzel (Berlin) legte Stücke eines Pseudogeschiebelehmes vor, der in der Hauptsache aus Hilsthon besteht, wie die in ihm gefundenen Exemplare von Belemnites brunavicensis zeigen, und ganz durchknetet ist mit grossen und kleinen Stücken von Hilssandstein und Kalkstein des oberen Jura. Diese Bildung, auf die Herr von Konen den Vortragenden aufmerksam machte, wurde im Anfang dieses Sommers beim Bau eines neuen Stollens auf Asphalt, östlich von Holzen am Ith, aufgeschlossen und zeigte in über 2 m Mächtigkeit vollkommen die Structur und das Aussehen der Localmoräne, wie sie in dem Brunnen der Hildesheimer Wasserleitung im vorigen Jahre durchsunken wurde, wo das thonige Material der Grundmoräne ebenfalls den unweit anstehenden Thonen der unteren Kreide entnommen ist. Nur fehlt dem Pseudogeschiebelehm von Holzen jede Beimengung nordischen Materials, wie sich überhaupt die letzten deutlichen Spuren der Vereisung auf der Südwestseite des Ith etwa eine Meile weiter nordwestlich in wenigen grossen nordischen Blöcken gezeigt haben. Die Entstehung dieses Geschiebelehmes von Holzen dürfte überhaupt nicht auf eine Gletscherthätigkeit zurückzuführen sein, sondern derselbe ist weiter nichts als eine Art Abhangschutt oder Deltabildung, worauf schon sein vereinzeltes, wenig ausgedehntes Vorkommen am Ausgang eines durch eine Querspalte bedingten Thales hinweist. Das Querthal ist unten in den Schichten des oberen Jura eingeschritten und zieht sich bis zu dem die Gigasschichten hier direct überlagernden Hilsthon und Hilssandstein hinauf. Von diesen reisst das in dem Thale herabfliessende Schnee- und Regenwasser vielfach Theile mit sich, führt sie zu Zeiten starker Niederschläge gewissermaassen als Schlammstrom langsam bergab und mengt dabei die durchweichten Thone innig mit Sand und grösseren und kleineren Sandsteinbrocken, zu denen sich weiter nach unten noch Stücke von oberen Jurakalken mischen.