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Excursion in die Umgebung von Halle unter Führung

von Fritsch, Karl

Kurzfassung

Am 1. September 1902 fuhren 34 Theilnehmer von Halle über Cönnern nach Bernburg. Hier wurden sie von Herrn Steinbruchbesitzer O. Merkel empfangen und gelangten über die Vorstadt Waldau zu dem grossartigen, ähnlich einem riesigen Amphitheater angelegten Muschelkalksteinbruche des genannten Herren. In der Nähe der bei Waldau gelegenen Cementfabrik hatte man Gelegenheit, die mergeligen, hier an Kalksteinplatten (Myophorien- oder Trigonienbänken) armen, grauen Schichten zu sehen, denen auf dem nordwärts vorliegenden Höhenzuge der untere Wellenkalk folgt. Dieser ist in dem 35 m tiefen Bruche vortrefflich aufgeschlossen, der nahe an die von Bernburg über Altenburg nach Nienburg (oder München-Nienburg) führende Chanssee bei deren höchster Stelle herantritt. Gerade bei der Oberkante des Bruches ist die Schaumkalkbank alpha (oder ,untere Oolithbank") erkennbar als eine Einlagerung bräunlich gelben, porösen, besonders reinen Kalksteins, worin Beneckeia Buchi, Myophoria cardissoides, M. laevigata, M. curvirostris und andere Versteinerungen besonders häufig und wohl erhalten sind. - Der Hauptlage von alpha schliessen sich ähnliche, doch anscheinend mehr wechselnde, auskeilende, durch geringmächtige Wellenkalklagen davon getrennte an; erst wenn der Abbau weiter nordwärts vorschreitet, wird sich wohl auch die Bank beta zeigen. Die Wellenkalke unter alpha enthalten einige schwache graue, z. Th. auch mit brauner Rinde bedeckte, härtere Bänke von mehreren Centimetern Stärke, doch scheint keine davon zu einer Gliederung der Schichtenreihe dienen zu können, wiewohl man z. Th. das ständige Auftreten kleiner, scharf fünfstrahliger Crinoidenstielglieder (Pentacriniten) auf grössere Strecke hin in einer bestimmten Lage leicht verfolgen kann. Der untere Wellenkalk dieses Bruches hat nur sehr wenige Saurierreste bisher geliefert; es sind vereinzelte Cephalopodenreste wiederholt gefunden worden: am häufigsten Nautilen, besonders N. dolomiticus Quenst., dann Beneckeien, auch Hungarites Strombecki und Balatonites Ottonis.