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Ein Profil durch den Ostabfall der Sierra Madre Oriental von Mexico.

Böse, Emil

Kurzfassung

Es giebt wohl kaum eine geologische Arbeit über Mexico, in der nicht auf die eigentümliche Bodengestaltung des Landes hingewiesen wird. Den Haupttheil des Landes bildet bekanntlich ein nach Norden flach abfallendes Hochplateau, welches nach Osten. Westen und Süden steilere Abhänge hat. Diese, von Manchen als Steilabstürze bezeichnet, sind ziemlich complicirt gebaut und zeigen, wenigstens auf der Ostküste, ein stufenweises Abfallen; vom Plateau, der Mesa central, aus senken sich die Höhenzüge gegen das Meer hinab. Auch die Mesa central ist keineswegs ein einfaches Plateau; zahlreiche Bergzüge, die oft eine durchaus nicht unbedeutende Höhe aufweisen, durchziehen die Hochebene, und nur die breiten Thäler zeigen einen flachen Boden, welcher dem Plateau den Namen verschafft hat. Immerhin fällt Existenz dieser Mesa central Jedem auf, der sich von der Ost-, West- oder Südseite der Hauptstadt des Landes nähert, und die Entstehung dieser mittleren Masse ist scheinbar das Hauptproblem der Geologie Mexicos. Geradezu verlockend erscheint bei Betrachtung der geographischen Karte die Annahme, dass der Steilabfall auf den Seiten durch Brüche erfolgte und dass somit im Grunde nur eine Senkung im Süden, Osten und Westen stattfand, oder auch eine Hebung des centralen Tafellandes. Eine solche Anschauung vertreten z.B. Felix und Lenk, welche, von der rein hypothetischen Ansicht, dass Vulkane auf grossen Spalten liegen müssen, ausgehend, solche Spalten nach der geographischen Lage der Hauptvulkane Mexicos im Süden des Landes construiren. Ein Blick auf die geologische Karte des Landes lehrt jedoch, dass die Verhältnisse nicht ganz so einfach liegen; zahlreiche Ketten mesozoischer Gesteine auf dem Hochplateau rufen die Vermuthung wach, dass die Vorgänge bei der Bildung des Centralplateaus anderer Art waren.