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Beiträge zur Kenntniss der Ueberschiebungen am vulkanischen Ries bei Nördlingen

von Knebel, Walther

Kurzfassung

I. Die Ueberschiebung bei Hertsfeldhausen. Das schmale, langhin sich erstreckende Tafelgebirge der schwäbisch-fränkischen Alb ist bekanntlich aufgebaut aus nahezu horizontal gelagerten Schichten des Weissen Jura. Unter dieser meist aus Kalken bestehenden Decke des Weissen Jura, welche von allen Gehängen steil abstürzt, treten am Steilrande der Alb die vorwiegend thonigen Schichten des Braunen Jura zu Tage, und wiederum unter dieser die ebenfalls vorwiegend thonigen Schichten des Lias, die sich ,einem Teppiche gleich" weithin nach Norden ausdehnen. Verborgen im Schosse der Erdrinde lagern unter dem Lias Thone und Sandsteine der Keuperformation, und diese ruhen auf altkrystallinen Gesteinen: Graniten und Gneissen auf. Da, wo die schwäbische und fränkische Alb zusammenstossen, liegt eingekenkt in die Hochfläche ein weiter Kessel, das Ries von Nördlingen. Sporen ehemaliger vulkanischer Thätigkeit treten in demselben, namentlich in dem randlichen Gebiete, zu Tage. Oben auf der Alb aber, im Umkreise um das Ries, finden sich hier und dort wunderbare Lagerungsverhältnisse. Mächtige Schollen des Braunen Jura, der normaler Weise bei dem horizontalen Schichtenban der Alb nur tief unter dem Weissen Jura liegen dürfte, finden sich hier hoch oben im Gebiete des Weissen Jura. Unter diesen Braun - Jura - Schollen zeichnet sich die von Hertsfeldhausen im Südwesten des Rieses ganz besonders durch Eigenart aus: Einmal nämlich liegt sie nicht oben auf der wellig ebenen Hochfläche, sondern in einer Vertiefung derselben. Nahe dem Südwestrande des Rieskessels findet sich hier eingesenkt in die Hochfläche der Alb eine relativ ganz kleine unregelmässige Senke, in deren Centrum das Dorf Hertsfeldhausen gelegen ist.