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Wirbeltierreste aus dem mittleren Pliocän des Natrontales und einige subfossile und recente Säugetierreste aus Aegypten

Stromer, Ernst

Kurzfassung

Die mir vorliegenden Fossilien worden teils von Herrn Dr. Dewitz aus Zürich gesammelt und von der Verwaltung des Senckenbergischen Museums in Frankfurt a. M. mir gütigst zur Bearbeitung überlassen, teils von meinem Kollegen Dr. Blanckenhorn und von mir bei der Fortsetzung einer von der kgl. bayer. Akademie der Wissenschaften ausgesandten Expedition gefunden und der Münchener paläontologischen Sammlung übergeben. Schon Studer und Andrews haben Reste, die aus dem gleichen Horizonte und wohl fast alle von demselben Fundorte wie die mir zur Verfügung stehenden stammen, kurz beschrieben, und mein Kollege hat die Geologie der Gegend bearbeitet, ich will hier nur einige Nachträge zu diesen Arbeiten bringen. Der Hauptfundort, von welchem alle Münchener (M) und wohl auch sämtliche Frankfurter (Fr.) Stücke stammen, liegt zwischen dem Ostfuss des Gart Muluk und einem Hügel, auf dem sich eine Hausruine befindet; die meisten Beste fanden wir nahe am West- und Südwestabfall des letzteren. Die frei auf dem sandig-lehmigen Boden herumliegenden braunen, selten schwärzlichen Fossilien sind an sich vorzüglich erhalten, aber leider liegen die Knochen fast nur in Bruchstücken vor, und die Zähne sind fast alle zersplittert. Wahrscheinlich ist dies nur eine Wirkung der Wüsten Verwitterung, speciell der Erhitzung und der Temperaturscbwankungen, demnach wären tiefer im Boden vollständige Reste zu erwarten. Studer aber, der den Erhaltungszustand genauer beschreibt, meint, dass Raubtiere die Knochen zertrümmerten. Da ich ausser Crocodilierzähnen nur Zahnsplitter und Knochenstücke habe. kann ich leider keine Arten bestimmen und so nur dürftige Ergänzungen zu den genannten Publicationen geben. Bei dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse über die fossilen Wirbeltiere Afrikas halte ich es aber doch für angebracht, zu versuchen, durch Beschreibung selbst geringfügiger Reste die Vergangenheit des dunkeln Continentes etwas aufzuhellen.