Original paper

Ueber die angebliche Diluvialfauna von Kolberg

Berendt, G.; Geinitz, E.

Kurzfassung

Es ist eine, wenn auch kleine, so doch alte litterarische Schuld, die nur im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten war, mir aber durch einen Blick auf Ihre ,Karte des deutschen Quartär" sofort wieder ins Gedächtnis gerufen wurde und deren ich mich mit diesen Zeilen entledigen möchte. Im Februar 1884 berichtete ich in der Sitzung der deutschen geologischen Gesellschaft über die durch Herrn E. Friedel in der Gegend von Kolberg gemachte und in der malakozoologischen Gesellschaft mitgeteilte Entdeckung mariner Schalreste einer mit der westpreussischen Diluvialfauna vollständig übereinstimmenden Nordseefauna in angeblich diluvialen Grandschichten des linken Persante-Ufers. Eine für den folgenden Sommer von mir beabsichtigte Kontrolle der wirklichen Lagerungsverhältnisse an Ort und Stelle wurde dadurch vereitelt, dass Herr Friedel zwecks weiterer Ausbeutung des Fundpunktes sich die genauere Mitteilung seiner Lage bezw. die Eintragung in eine ihm dazu übersandte Kartenskizze für später vorbehielt. Als ich dann einige Jahre später behufs geognostischer Kartierung des gegenwärtig noch im Erscheinen begriffenen Messtischblattes Kolberg die Gegend genau durchstreifte und auch das linke Persante-Ufer auf die in Rede stehende Fauna eingehend durchforschte, gelang es mir schliesslich. südlich der früheren, an der Persante-Mündung gelegenen sog. Heyden-Schanze, an einem durch die Bauten des inzwischen hier angelegten neuen Fischereihafens wahrscheinlich schon zerstörten Stelle, unter der Düne zum Vorschein kommende Grandschichten aufzufinden, welche hier und da mit der in Rede stehenden Nordseefauna reichlich durchsetzt waren und zweifelsohne als die Friedel'sche Fundstelle oder deren Aequivalent bezw. Fortsetzung zu betrachten sind.