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Untergrund von Venedig mit Beziehung auf den Einsturz des Markusturms

Ochsenius, Karl

Kurzfassung

Nach einigen Bemerkungen über abgeschlossene Wasseransammlungen in allen älteren Schichtsystemen, welche der Bergmann mit dem Namen ,Wassersäcke": zu bezeichnen pflegt, erläuterte der Vortragende den Begriff eines ,Wasserkissens", welchen Namen man denjenigen Wasseransammlungen im Alluvium beigelegt hat, die unter einer elastisch gebliebenen Decke befindlich und unter Druck geraten sind. Die Bildung ist mehrfach beobachtet worden. Tote Flussarme, Teiche, Tümpel, sich selbst überlassen, werden von einer Schicht schwimmenden Pflanzenmaterials überzogen, und diese Schicht wird unter Umständen so dicht und fest, dass darauf gewehter Staub und Sand nicht mehr untersinkt, sondern sich verfestigt. Zuletzt ist die ganze Vertiefung ausgefüllt und eingeebnet, der flüssige Inhalt am Grund ist total eingesperrt und trägt seine Decke, die vielleicht nur wenig elastisch geblieben ist, ruhig weiter, so lange keine Störung eintritt. Derartige Formationen von Wasserkissen können sich sogar übereinander wiederholen. Recht unliebsame Erfahrungen mit solchen haben Eisenbahnen im norddeutschen Flachlande damit gemacht. Verluste an ganzen Dämmen sind zu notieren bei dem Bau der Berliner Nordbahn, der Bahn Cöslin - Stargard, der Märkisch-Posener Bahn u. s. w. Für Wasserkissenbildung war und ist nun die norditalienische Po-Ebene wie geschaffen. Eine üppige Vegetation auf den zahlreichen Tümpeln und Teichen, die der Po, dessen Niveau ja gegenwärtig stellenweise höher liegt, als die First der Häuser der benachbarten Ortschaften, auf seinen beiden Ufern hinterliess, bat unter mildem Klima dort förmliche Etagen von Wasserkissen zuwege gebracht. Das wird bewiesen durch die behufs Beschaffung von gutem Trinkwasser ausgeführten Tiefbohrungen und deren Druckverhältnisse.