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Den Untergrund norddeutscher Binnenseen

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

Hinter anderen, dringlicheren geologischen Aufgaben ist in Norddeutschland bisher die staatliche Seenforschung zurückgetreten. Im Auftrage der Preussischen geologischen Landesanstalt hatte Vortr. im Sommer 1902 Veranlassung, mehrere Seen zu untersuchen, Er giebt über deren Untergrund folgende vorläufige Mitteilungen. Der Untergrund ist nicht nur in den verschiedenen Seebecken verschieden sondern wechselt auch innerhalb fast jeden einzelnen Sees bedeutend. Aehnlich wie beim Meer kann man auch bei Binnenseen Zonen unterscheiden, welche im Allgemeinen (aber nicht immer) durch die Wassertiefe und die Entfernung vom Ufer bedingt werden. In der Anordnung dieser Untergrundzonen findet sich manche Analogie mit den Verhältnissen der Meeresböden, aber auch mancher tiefgreifende Unterschied. In der Uferzone fehlt den Binnenseen, wie Ebbe und Flut, so in der Regel auch der schnelle, mit der Drehung des Windes umsetzende Wechsel der Wasserstände, die tiefgreifende Wirkung der Wogen Die für den Meeresstrand und die Küstenzone bezeichnenden Untergrundsformen kehren daher an den Binnenseen nur in stark verkleinertem Massstabe wieder. Dagegen besitzen die Binnenseen fast ringsum dichten Pflanzenwuchs, welcher das Ufer bekleidet als Schilf, Rohr oder Binsen die flacheren Teile des Wassers bis zu 2 oder 3 m Tiefe erfüllt und etwas tiefer oft als unterseeische, teilweise Schwimmblätter emporsendende Wiesen von Elodea, Ceratophyllum, Myriophyllum, Potamogeton, Chara, Nymphaea u. s. w. grosse Flächen einnimmt. Diese Pflanzendeken, welche stellenweise sehr dicht werden, liefern naturgemäss beim Absterben massenhafte Pflanzentrümmer, welche den Seeboden zwischen den Pflanzen und in der Nähe der Uferzone erhöhen, Sie wirken aber auch chemisch auf die Abscheidung gewisser Stoffe, insbesondere des Kalkcarbonats, und mechanisch auf den Schutz des Ufers vor Abwaschung und auf die Festhaltung eingeschwemmter Sinkstoffe und herbeigewehter Staubteilchen.