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Steinsalz und Kalisalze

Ochsenius, Carl

Kurzfassung

Als Ergänzungen meiner Aufsätze über diese Materie in Bd. XXVIII, S. 655-666 (1876) und Bd. XXXIII. S. 507-511 (1881) halte ich folgende Ausführungen für notwendig. Der ganze norddeutsche Zechsteinsalzbusen, der unsere Kali- und Magnesiasalze als höchst wertvolle Zugabe zu dem Steinsalzcoloss in seinem Untergrunde birgt, stellt eine Tiefseebildung vor. Bei Sperenberg liegen an 1270 m Steinsalz, bei Unseburg an 900 und bei Celle über 1470 m. Hieraus folgt, dass nicht mehr so a priori von einzelnen Kalisalzmulden und dergl. die Rede sein kann und noch weniger von Salzgärten und -beeten. Der ganze Busen (mit Thüringen als flache Nebenbucht) hat die edlen Kalisalze als Niederschlagsproduct ausnahmsweise erhalten und behalten, und zwar unter besonderen Umständen. Die obersten Schichten der Laken, die über dem Absätze des grössten Teils von Chlornatrium stehen blieben, waren aus den leichtest löslichen Salzen gebildet, nämlich aus Jodiden (von Natrium, Lithium, Calcium und Magnesium), ferner aus Bromiden (derselben Basen und wohl auch Kalium) im Verein mit Chlormagnesium. Diese Horizonte waren die ersten, welche über die Barre ins Meer abfliessen mussten, nachdem der Mutterlaugenspiegel die Unterkante der Barre erreicht hatte. Die Jodverbindungen wurden vollständig abgestossen - deshalb giebts weder Jod noch Lithium in unseren Kalibetten -, die Bromide blieben nur restweise zurück - deshalb findet sich verhältnismässig bloss sehr wenig Bromkalium in unserm Bromcarnallit -, wogegen Chlormagnesium zum Teil mit seinen Genossen im Abzüge vereint blieb - deshalb ergiebt sich bei ihm ein Manco -, da schloss sich die Barre durch Versandung vom Ocean her.