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Über den Untergrund von Venedig

Ochsenius, Carl

Kurzfassung

Bezugnehmend auf meine am 12. August v. J. in Cassel dargelegten Ausführungen über den Untergrund von Venedig sehe ich mich veranlaßt, darauf zurückzukommen. Ich schloß damals mit den Worten: ,Die einzige Erklärung der Venetianer Verhältnisse besteht also in der Annahme von Stellen mit hohlem, wassererfülltem Untergrund, aus dem die solide Decke das darin enthaltene Wasser und Gas jetzt langsam durch einen von Überlastung herrührenden Riß nach oben, auf dem einzigen Auswege, herausquetscht. Mit anderen Worten: Es sind Wasserkissen, ..."Der Wiederaufbau des im Juli v. J. infolge des Nachgebens seines Fundamentes in sich zusammengestürzten herrlichen Glockenturms von San Marco wurde mit Enthusiasmus beschlossen und pekuniär gesichert. Dabei hatte man denn die Rechnung quasi ohne den Wirt, d.h. ohne das unsichere, abgesunkene Fundament (die geborstene Decke des in der Tiefe befindlichen Wasserkissens) gemacht. Hierüber schrieb man aus Venedig am 8. Juli 1903: ,Wie es mit dem Wiederaufbau des alten Campanile gehalten werden soll, weiß hier noch niemand. Luca Beltrami und Moretti, die designierten Erbauer, wissen es vermutlich selber nicht. Überhaupt will mir scheinen, daß Beltrami für die Sache eben nicht begeistert, ist und seine schweren Bedenken hat. Doch ist von ihm ein sehr gewissenhaft gehaltener, erschöpfender Bericht vollendet worden, aus dem zunächst etwas mitgeteilt werden kann. Nach der Untersuchung, die der Architekt Boni seinerzeit vorgenommen hat, zeigte sich, daß die Fundamente des Glockenturms nicht so stark waren, wie man anzunehmen pflegte. Das ist bei antiken Bauten oft ermittelt worden. Die Last des Campanile de San Marco beträgt 14 000 000 kg auf 222 m sie übersteigt die Tragfähigkeit des Venetianer Terrains.