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Salpeterablagerungen in Chile

Ochsenius, Karl

Kurzfassung

In dem Bericht über die Sitzung unserer Gesellschaft am 1. April d. J. fand sich folgender Passus aus dem Vortrage von Herrn Dr. Semper: ,Unhaltbar ist auch die komplizierte Theorie von Ochsenius, nach welcher in Mutterlaugenseen, welche durch vulkanische Kräfte von der Küste bis in die Höhe der jetzigen Hochcordilleren gehoben wurden, durch Exhalationen von Kohlensäure Soda gebildet wurde, die in Wildfluten bis vor die Küstencordilleren hinabfloß, dort aufgestaut wurde und durch den von der Küste eingewehten Guanostaub zu Salpeter umgesetzt wurde." Nachdem mir Herr Dr. Semper geschrieben, daß sich seine Anschauung über meine Salpeterbildung in dem kurzen Referat über seinen Vortrag in der Deutschen geologischen Gesellschaft ganz erheblich schroffer ansieht, als sie tatsächlich ist, begnüge ich mich hier vorerst mit folgenden Erläuterungen über die verschiedenartig aufgefaßten Punkte. Die in den Anden notorisch vorhandenen kolossalen Steinsalzflöze haben zweifellos große Mengen von Mutterlaugenresten gehabt, und diese sind nachweislich bei oder nach der Hebung der Cordilleren an deren Flanken herabgeflossen. Soda, die als Salpeterbasis zu betrachten ist, findet sich, wenn auch nicht gerade immer massig, in ihnen sowohl in Chile wie in der gerade gegenüber liegenden Argentina; d. h. diesseits und jenseits der Cordilleren. W. Bodenbender führt sie in seiner Mineralogie der Argentina (1899, S. 112) an als Ausbildungen und in vielen Mineralwassern. Auf chilenischer Seite scheint das Natriumcarbonat vielfach zur Nitratbildung verwandt worden zu sein, fehlt aber keineswegs gänzlich. Schon Darwin beschrieb Ablagerungen desselben, Pissis ließ es aus den Basen des Feldspats hervorgehen, auch Forbes und Raimondi erwähnen bedeutende Mengen, alles in Atacama und Tarapacá.