Original paper

Ueber junge Hebungen in den Anden

Ochsenius, Karl

Kurzfassung

Der argentinische Staatsgeolog Hauthal, der von der dortigen Regierung nach Patagonien gesandt wurde, um die Wasserscheide festzustellen zwischen Chile und der Argentina, welche als Grenzlinie der beiden Republiken dienen sollte, berichtete eingehend kürzlich in Cassel über die zahlreichen Landseen jener Gegenden. Er hob u.a. hervor, daß eine der großem Lagunen nach Westen in den Pacific entwässerte, von ihrem Ostende jedoch einen trockenen Rinnsal entließ, der offenbar früher ihren Inhalt nach dem Atlantic geleitet hat. Die Obstruction war keineswegs durch Einsturz der außerordentlich niedrigen Uferrand-Böschungen hervorgerufen worden, und es genügte die Arbeit von einigen Leuten in wenigen Tagen, um die Entwässerung der Lagune wieder in ihr früheres Bett durch einfaches Vertiefen in der Mitte zu leiten. Da hat also eine nur geringe Hebungsdifferenz der Ostseite des Sees hingereicht, um die Vermehrung seines Inhaltes nach der entgegengesetzten Seite auslaufen zu lassen. Anders läßt sich die Situation nicht erklären. Einer einfachen Versandung im Abfluß wäre der See doch sicher bald Herr geworden, und eine derartige Ursache wäre der Beobachtungsgabe von Hauthal gewiß nicht entgangen. W. Bodenbender, der unermüdliche Cordillerenforscher an der argentinischen Universität Cordoba, sagt in einem Beitrage zur Kenntnis der Precordillere von San Inan, Mendoza und der Centralketten: ,Daraus geht hervor, daß das Permocarbon, welches sich durch die ganze Niederung der Sierra von Malanzan mit der von Chepes einerseits und der Sierra de los Llanos andererseits hinzieht, in einer Mulde von Gneis und archäischen krystallinischen Schiefern abgesetzt worden ist und sie höchstwahrscheinlich ganz ausgefüllt hat. Die Schichtenbildung setzte sich fort durch die späteren Perioden und ließ u.a. rote (triassische) Sandsteine mit weiteren Sedimenten entstehen.