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Beiträge zur Theorie der Gebirgsbildungen und vulkanischer Erscheinungen

Fleischer, Alexander

Kurzfassung

Während altere Geologen, wie Alexander v. Humboldt und Leopold v. Buch, glaubten, dass die Gebirge - soweit sie nicht directe Eruptivmassen sind - als Hebung der Erdrinde durch vulkanische Kräfte entstanden seien, haben neuere, zahlreiche Beobachtungen durch hervorragende Geologen zu der Ansicht gedrängt, dass die allmähliche Abkühlung des Erdballs und die damit verbundene Verkürzung des Erdradius einen tangentialen Schub auf die oberen Schichten ausgeübt und dadurch eine Stauchung resp. Faltung derselben zu Gebirgen veranlasst haben müsse. Diese Anschauung erscheint auf den ersten Blick seltsam, weil wohl angenommen werden muss, dass die obersten, doch ziemlich rasch erkalteten Schichten der Erdrinde sich stärker abgekühlt haben müssten als die, gegen Abkühlung durch die Luft und Strahlung mehr geschützten unteren Schichten, so dass eigentlich die oberen Schichten nicht gefaltet werden, sondern eine grosse Zahl von Rissen und Brüchen bekommen haben müssten. In der Tat sieht sich Heim zu der Annahme gedrängt, dass in tieferen Kugelschalen der Erde der faltenbildende Seitenschub allmählich abnimmt, und zuletzt ein Gebiet erreicht wird, in welchem die fortschreitende Abkühlung resp. Contraction Risse erzeugt, so dass durch diese Injectionen und Eruptionen des flüssigen Kernes erfolgen. Es sollen nun nach Heim die verschiedenen Tiefenregionen sich in verschiedenen Stufen der Abkühlung befinden und die tieferen Schichten nicht im Verhältnis der Stadien für diese letzteren zu gross sein, sondern die äusseren Erstarrungslagen und die älteren Sedimente sollen verhältnismässig zu weit sein, in höherem Betrage als die unteren Erstarrungslagen, und hätten sich deshalb schon falten müssen, bevor die tieferen die Faltung begonnen haben. Wie hat man nun eigentlich sich solchen Vorgang zu erklären?