Original paper

Ueber die Jugendentwicklung von Sphenodiscus lenticularis Owen und seine Beziehungen zur Gruppe der Tissotien

Solger, Friedrich

Kurzfassung

Alle Autoren, die die Gattung Sphenodiscus behandelten, haben sie in die unmittelbare Nähe von Placenticeras gestellt oder gar nur als Untergruppe der letzteren Gattung aufgeführt, so Meek, Douvillé und De Grossouvre. Neumayr und Uhlig gingen so weit, die Trennung von Placenticeras und Sphenodiscus für unzweckmässig zu erklären und beide unter letzterem Namen zusammenzufassen. Auch J. Perrin Smith, der die Ontogenie und Phylogenie von Placenticeras in neuester Zeit zum Gegenstande eingehender Untersuchungen machte, zweifelt nicht an der engen Zusammengehörigkeit beider Gruppen, meint aber, dass die Sphenodiscen nicht als Subgenus der Gattung Placenticeras gelten können, da sie weder deren Vorfahren noch Nachkommen wären. Nach ihm sind beides selbständige Abzweigungen des Hoplitenstammes, die im oberen Teile der unteren Kreide sich von letzterem trennen. Diese übereinstimmenden Auffassungen gründen sich einerseits auf die äussere Form beider Gattungen, die sich durch hohen, verhältnismässig schmalen Mündungsquerschnitt und enge Nabelung auszeichnet, vor allem aber auf die grosse Aehnlichkeit, die zwischen der Sutur eines erwachsenen Sphenodiscus und der eines erwachsenen Placenticeras besteht und die sich zeigt in dem Auftreten zahlreicher, aber kleiner und nur wenig zerschlitzter Loben und Sättel und in dem Vorhandensein von zwei, dem ersten Laterallobus an Grösse etwa gleichen Adventivloben. Diese auffallende Uebereinstimmung schien von vorn herein die nahe Verwandtschaft beider Formengruppen zu bezeugen. Bei der Untersuchung von Ammoniten der oberen Kreide Kameruns, die äusserlich teils an Sphenodiscus, teils an Placenticeras erinnerten, drängte sich mir jedoch die Ueberzeugung auf, dass die ,Placenticeras-Sutur", wenn ich sie so nennen darf, eine in mehreren Ammonitengruppen in convergenter Entwicklung wiederkehrende Suturform ist - eine Möglichkeit, die von keinem der oben genannten Forscher discutiert wird.