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Ronzotherium Reichenaui aus dem Oligocän Ton Weinheim bei Alzey

Deninger, Karl

Kurzfassung

Gelegentlich einer im Auftrage des naturhistorischen Museums zu Mainz ausgeführten Excursion erhielt ich in Weinheim bei Alzey in Rheinhessen die fast vollständige Oberkieferzahnreihe und drei Unterkieferzähne eines Rhinoceroden. Diese Reste stammen nach Aussage des Finders von der ,Trift" bei Weinheim, jenem bekannten trefflichen Aufschlüsse in dem oberoligocänen Meeressande. Mein ursprünglicher Verdacht, es könne sich um irgendwie verschleppte Stücke aus dem Dinotberiensande des Mainzer Beckens handeln, wurde bei näherer Betrachtung sofort zerstreut, denn in allen Fugen der Zähne saß noch unverkennbar Meeressand, und auch die paläontologische Stellung des Stückes weist unbedingt auf oligocänes Alter hin. Es ist auch nicht das erste Mal, dass der oligocäne Meeressand Reste von Rhinoceroden liefert. Lepsius erwähnt in seiner Beschreibung des Mainzer Beckens Extremitätenknochen eines kleinen Rhinoceroden von dieser Fundstelle. Die nähere Untersuchung ergab, dass die Eieferreste einer neuen Art angehören, die der Gattung Ronzotherium zugeteilt werden muss. In tiefer Dankbarkeit gegen meinen Freund und Lehrer, den um die naturwissenschaftliche Forschung in Hessen so verdienten Herrn Wilhelm von Reichenau benenne ich die Art Ronzotherium Reichenaui. Unser Fund besteht aus der Zahnreihe des linken Oberkiefers von P² bis M3. Die ehemalige Existenz von P1 wird durch eine deutliche Alveole bewiesen. M² und M3 sind stark beschädigt. Die drei Unterkieferzähne waren nicht mehr im Zusammenhange. Es ist aber kaum zweifelhaft, dass es die drei Molaren des rechten Unterkiefers sind, und deshalb habe ich sie auch in ihrer Reihenfolge an einander befestigt.