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Geologische Beobachtungen auf Helgoland

Wolff, Wilhelm

Kurzfassung

Die Frage, ob in spät- und nachdiluvialer Zeit in Norddeutschland noch merkliche Bodenbewegungen stattgefunden haben, läßt sich sehr vorteilhaft an den Kasten unseres Landes studieren. Für die Ostseeküste sind durch Jentzsch und Andere, namentlich aber durch E. Geihitz nicht unbeträchtliche Niveauveränderungen nachgewiesen. Auch für die Nordseeküste fehlt es nicht an Beweisen. In dieser Hinsicht nimmt die weit vorgeschobene Insel Helgoland ein besonderes Interesse in Anspruch, und zwar durch zwei auffallende Erscheinungen. Bekanntlich besteht Helgoland aus zwei Nachbareilanden, der hohen, steilumrandeten Felsinsel und der niedrigen, in ihrem Schutz im Osten gelegenen Düne. Beide haben einen gemeinsamen großen unterseeischen Sockel, der vorwiegend aus den Schichten des Zechsteinlettens, unteren Buntsandsteins, Muschelkalkes und der Kreide vom Neocom bis zum Senon gebildet wird. Die Felsinsel ist nichts als der letzte Rest einer größeren, der Abrasion zum Opfer gefallenen Landmasse. Sorgfältige Beobachter wie Wiebel und Lindemann haben das Maß des Küstenrückschrittes in neuerer Zeit auf 3-5 m im Jahrhundert berechnet. Wenn man mit diesem Maß nun einmal rückwärts den Zeitraum berechnet, den die Abrasion zur Herausbildung des Sockels der Hauptinsel gebraucht bat, so kommt man auf ca. 15 000 Jahre. Bedenkt man, daß die großen mittelalterlichen Sturmfluten und die sicher vorauszusetzende ungleiche Widerstandsfähigkeit des Landes hin und wieder dies Tempo erheblich beschleunigt haben werden, so ermäßigt sich die Schätzung vielleicht auf 10 000 Jahre. Warum begann die Abrasion nicht eher?