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Geologische Beobachtungen auf Madeira

Gagel, Kurt

Kurzfassung

Herr Gagel sprach aber geologische Beobachtungen auf Madeira und legte eine Reihe von Proben der dort auftretenden jungvulkanischen Gesteine vor, unter anderem Belegstücke für die dort sehr verbreiteten und schön ausgebildeten Absonderungserscheinungen an den Lavabänken und Gängen: Dünnplattige, griffelige, säulenförmige und besonders kugelig-schalige Absonderungsformen, welch letztere anscheinend auf die jüngsten Oberflächenergüsse beschränkt sind, da sie niemals in einem Profil, sondern immer nur an der Oberfläche beobachtet wurden. Die dünnplattig abgesonderten Gesteine zeichnen sich durch einen schönen hellen Ton aus, den sie beim Schlagen mit dem Hammer geben. Ferner wurden Proben vorgelegt, welche die außerordentlich tiefgehende Zersetzung und Auslaugung mancher Oberflächcnergüsse im Nordwesten der Insel zeigten, die unter vollständiger Erhaltung ihrer Struktur bis zu über 3 m Tiefe so ausgelaugt sind, daß sie nur noch ein sehr geringes spezifisches Gewicht haben und man mit der Hammerschneide leicht Handstücke herauskratzen kann. Da Proben des normalen unzersetzten Gesteins überhaupt nicht mehr zu erlangen waren, so sind vermutlich diese Ergüsse in ihrer ganzen Mächtigkeit zersetzt. Die zersetzten Gesteine zeigen eine gelblich-braune, in seltenen Fällen rote Farbe. Eine andere sehr merkwürdige Erscheinung wurde im Osten der Insel bei Caniçal beobachtet. Dort finden sich mehrere, in einer Linie angeordnete, kraterartige Ringe von annähernd kreisförmiger bis ellipsoidischer Gestalt und 25 bis 100 m Durchmesser, welche einen etwas hervorragenden Rand festen Basaltes aufweisen, der eine mehr oder minder deutliche sphärisch-schalige Absonderung zeigt, während das Innere der Ringe vollständig zu beauxitartigen Massen von brauner bis hellroter Farbe umgewandelt ist. so z.B. manche Grauwacken und Aschen-Tuffe in Thüringen, sogar eine grobstückige, vom Redner bei Beraun in Böhmen beobachtete Diabastuffbreccie, ferner viele Schiefertone und Tonschiefer (unter anderem der Ginetzer Paradoxideuschiefer nach gefälliger Mitteilung von J. J. Jahn) dieselbe polyedrische Zerklüftung mit konzentrisch - kugelschaliger Verwitterung der einzelnen Polyeder aufweisen. Manche thüringische, polyedrisch scharfkantig zerklüftete Tonschiefer zeigen nur eine konzentrischschalige Farbeninfiltration der einzelnen angewitterten Polyeder. Ein gleichartiger Vorgang ist endlich auch die konzentrische Absonderung innerer Zylinderflächen, die sich in vielen Bohrkernen bei Diamant - Kronenbohrungen im Verlauf weniger Stunden ausbildet und z.B. in dem, unter dem wenig zutreffenden Namen ,Salzton" bekannten, die Decke der norddeutschen Zechstein-Kalisalze bildenden dunklen Mergelschiefer oft recht schön zu beobachten ist; sie beruht hier auf der von der zylindrischen Außenfläche des Bobrkerns nach innen vorschreitenden Auslaugung der Salze durch die umgebende Spüllauge. Gegenüber dieser besprochenen nachträglichen Kugelschalenbildung an Eruptivgesteinen durch Verwitterung, muß als eine ursprüngliche, bei der Erstarrung gebildete diejenige Kugelschalenstruktur gelten, welche unter anderem an thüringischen dichten, mehr oder minder mandelreichen Diabasen des Mittel- und Oberdevons sehr häufig und schön zu beobachten und von Dathe, von Liebe und von mir beschrieben ist und durch konzentrischschalige Anordnung der Mandeln in den bis über 2 m großen Kugeln gekennzeichnet wird, die, ihrerseits eng aufeinander liegend, 30 und mehr Meter mächtige Lager zusammensetzen können. Es wäre wichtig festzustellen, ob an tertiären und rezenten Laven diese selbe Kugelschalenstruktur vorkommt, und wie man sich da den Zerfall des Lavastroms in einzelne Kugeln und wie deren Fortbewegung zu denken hat, um zu erklären, daß bei der Erstarrung die Gasblasen, welche die Mandelräume bildeten, nicht bloß nach oben, sondern auch - der Schwere entgegen - nach unten zu entweichen versuchten.