Original paper

Ueber eine neue Culmfauna von Königsberg unweit Giessen und ihre Bedeutung für die Gliederung des rheinischen Culm

Parkinson, Harold

Kurzfassung

Einleitung. Gelegentlich seiner Aufnahmearbeiten auf dem Meßtischblatt Rodheim (im Norden von Gießen) entdeckte Herr Professor Kayser im Sommer des Jahres 1900 in nächster Nähe des Städtchens Königsberg in den dortigen Culmschichten eine durch ihre petrographische Ausbildung von den umgebenden Culmschiefern sehr abweichende Gesteinsbank, nämlich eine etwa einen halben Meter mächtige kalkige Schieferbreccie. Bei genauerer Untersuchung lieferte diese Bank eine von der gewöhnlichen Culmfauna, wie man sie in jener Gegend schon seit langer Zeit, besonders von Herborn kennt, durchaus abweichende Fauna: Posidonia Beckeri nämlich, das bekannte Hauptleitfossil jener Fauna, fehlt hier, ebenso wie Goniatites crenistria, Orthoceras striolatum u. s. w., gänzlich. Statt dessen enthält die Schieferbreccie außer Crinoidenstielgliedern und Resten von Phillipsia besonders Fragmente von großen Productiden, von Spiriferen, allerhand Korallen und Anderes. Der schon an sich nahe liegende Gedanke, daß man es hier mit einem neuen, von dem des Herborner Posidonienschiefers verschiedenen Horizont des Culm zu tun habe, wurde durch die weiteren geologischen Untersuchungen bestätigt, die den Beweis lieferten, daß die Schieferbreccie einem höheren Niveau als der Posidonienschiefer angehört. Der Wunsch, die faunistische Zusammensetzung dieses neuen merkwürdigen Versteinerungshorizontes in möglichst erschöpfender Weise kennen zu lernen, veranlaßte Herrn Professor Kayser, mir die Ausbeutung und paläontologische Bearbeitung der Königsberger Fauna als Thema einer Dissertation zu übertragen. Ich habe infolgedessen im Herbst 1902 etwa vier Wochen in dem dem Städtchen Königsberg benachbarten Orte Hohensolms Wohnung genommen und habe während dieser Zeit täglich 5 bis 6 Stunden auf die Gewinnung der Fossilien der Königsberger Schieferbank verwand.