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Die vulkanischen Überschiebungen bei Wemding am Ries-Rand

von Knebel, Walther

Kurzfassung

Das Riesgebiet ist bekanntlich in neuerer Zeit vielfach Gegenstand eines wissenschaftlichen Meinungsaustausches gewesen. E. Koken hatte, auf eine große Anzahl von Beobachtungen gestützt, die Behauptung vertreten, daß in diluvialer Zeit der Rieskessel vergletschert gewesen sei; die glacialen Spuren vermeinte er in den dort vorkommenden Schliffflächen, den gekritzten Geröllen und grundmoränenartigen Massen erkannt zu haben. Demgegenüber hatten Branco und E. Fraas diese angeblich glacialen Gebilde als pseudoglacial erklärt, hervorgerufen durch die eigenartigen vulkanischen Phänomene des Rieses. Meine neueren Beobachtungen hatten diese Auffassung bestätigt; ich konnte den Beweis führen, daß ein großer Teil der von Koken als glacial geschilderten Vorkommen tertiären Alters ist, mithin zweifellos pseudoglacial sein muß. Im Frühjahr 1903 hatte auch der Oberrheinische geologische Verein seine Jahresversammlung im Ries abgehalten. Auf den dabei unternommenen Exkursionen ergab sich als wohl allgemeine Überzeugung, daß in der Tat Spuren glacialer Vorgänge nicht vorlagen, daß vielmehr die von Koken als glacial angesprochenen Gebilde pseudoglacial seien und wirklich den vulkanischen Kräften ihre Entstehung verdankten. Es wäre indessen doch keineswegs damit ausgeschlossen, daß zu diesen tertiären pseudoglacialen Erscheinungen in diluvialer Zeit nicht auch noch euglaciale hinzugekommen sein könnten. Diese müßten sich dann besonders im Rieskessel selbst zeigen. In der Tat hatte Koken auf seine Beobachtungen bei dem am östlichen Rande des Rieses gelegenen Orte Wemding wohl besonderen Wert gelegt. Es erschien daher wünschenswert, gerade diese Gegend genauer und mit Hilfe von Schürfungen zu unter suchen. Im Folgenden soll das Ergebnis dieser Untersuchungen dargelegt werden.