Original paper

Über Heterocoenia provincialis Mich. sp., eine Hexakoralle vom Habitus der Tubipora

Janensch, Wemer

Kurzfassung

Wenn auch die Vielgestaltigkeit des äußeren Habitus der Korallen eine längst bekannte Erscheinung ist und man gleichfalls weiß, daß ähnliche Wachstumsformen bei durchaus verschiedenen Gruppen auftreten, so glaube ich doch noch auf ein besonders auffallendes Beispiel einer derartigen Konvergenzerscheinung hinweisen zu dürfen. Es handelt sich um Heterocoenia provincialis Mich. auf der einen und die bekannte Orgelkoralle, Tubipora, auf der anderen Seite. Beide gehören verschiedenen Unterklassen an und auch im mikroskopischen Bau ihrer Skeletteile weisen sie grundlegende Unterschiede auf; trotzdem zeigt der äußere Habitus eine bis in Einzelheiten gehende Übereinstimmung. Obwohl Heterocoenia provincialis schon von mehreren Autoren beschrieben ist, gestattete die Untersuchung eines in der Sammlung des paläontologischen Museums zu Berlin befindlichen Exemplares aus dem oberen Turon von Sommelongue bei Mondragon (Dép. Vaucluse), nicht weit von dem als Fundpunkt für Fossilien dieses Niveaus berühmten Ort Uchaux, einige neue Beobachtungen dem bisher Bekannten hinzuzufügen, wodurch das Bild der Übereinstimmung der Stockform der beiden Gattungen noch um weitere gemeinsame Züge bereichert wird. Ich lasse nunmehr die genauere Beschreibung des Stückes folgen. Wie alle Fossilien aus dem Sandstein von Uchaux, ist auch die vorliegende Koralle völlig verkieselt und zeigt deren charakteristische gelbbraune Farbe. Die Verkieselung hat selbstverständlich jede innere Struktur vernichtet; dafür ist aber der ganze Habitus um so klarer zu erkennen.