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Über die Theorie der artesischen Quellen und einige damit zusammenhängende Erscheinungen.

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

Vortragender stellte folgende Thesen auf: 1. Das einfache Prinzip kommunizierender Röhren genügt in manchen Fällen nicht zur Erklärung der artesischen Quellen. 2. Letztere sind nicht aus der Hydrostatik, sondern aus der Hydrodynamik in Verbindung mit Geodynamik und Physik zu erklären. 8. Insbesondere wirken dabei mit Gebirgsdruck, Capillarität, Beweglichkeit der Sandkörner, osmotischer Druck; säkulare, jährliche oder tägliche Bewegungen der Erdmassen, sowie makro- und mikroseismische Schwingungen. 4. Die seismischen Schwingungen wirken insofern mit, als sie mit Überwindung des Capillar-Widerstandes das Gesteinswasser nach der Richtung des geringsten Widerstandes befördern. In Bezug auf die osmotischen Wirkungen weist Vortr. auf die weite Verbreitung von Chloriden und anderen Salzen im Grundwasser tieferer Erdschichten hin und zeigt an Beispielen aus dem nordöstlichen Deutschland, daß Chloride durch Diffusion Gesteinsschichten durchwandern können. Vortr. zählt eine Anzahl solcher Salz-Vorkommen aus Ostpreußen, Westpreußen, Posen und Pommern auf, aus denen sich die flächenhafte Verbreitung schwachsalziger Grundwässer in der Kreideformation des deutschen Nordostens ergibt. Vermutlich sind die tieferen Kreideschichten jener Provinzen seit ihrer Ablagerung niemals einer durch relative Hebung bedingten Auslaugung unterworfen gewesen.