Original paper

Über präglaciale marine Ablagerungen im östlichen Norddeutschland.

Maas, Günther

Kurzfassung

Im Jahre 1899 beschrieb G. Müller marine Ablagerungen von Roizenburg a. d. Elbe, die dort das Glacialdiluvium unterlagern und als Aequivalent der Cardiumsande von Lauenburg und Bleckede angesprochen wurden, für Präglacial, während Gottsche diese Bildungen als ältestes Interglacial auffassen wollte. Ähnliche Verhältnisse haben sich nun seit einer Reihe von Jahren an mehreren Punkten des nordostdeutschen Flachlandes gezeigt, die im folgenden ganz kurz angeführt sein sollen, während ich mir eine genaue Darstellung für später vorbehalte. Bereits im Jahre 1884 wies Jentzsch im Anschluß an Berendt auf das Vorkommen mariner Conchylien bei Bromberg und Ostrometzko hin, die sich hier in dem die Tertiärtone unmittelbar überlagernden Diluvialsanden finden; doch glaubte er, sie als ungelagert ansprechen zu müssen, besonders da sie bei Ostrometzko zusammen mit Dreissena beobachtet wurden. Bei mehrfachen Besuchen der Ostrometzkoer Ziegelei, deren Grubenaufschlüsse oft ihr Aussehen wechseln, konnte ich nun feststellen, daß die Miocäntone unmittelbar von einer dünnen Bank schwach kalkiger und meist völlig feldspatfreier Sande überlagert werden, in denen sich Cardium edule und Cyprina sp. finden. Auf diese Sande legen sich, von ihnen oft durch eine Geröllebank getrennt, echte kies- und feinsandstreifige Diluvialsande, die in den tieferen Teilen marine Fauna mit Süßwasserehonchylien, Anodonta und Dreinsena, gemischt, enthalten und nach oben zu nur noch letztere aufweisen. Wie bereits Jentzsch erkannte, bilden diese Sande die tiefste Schicht des gesamten Diluviums von Ostrometzko. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei Bromberg. Hier ist das Tertiär zusammen mit dem unteren Diluvium in eine Reihe nordwestlich streichender Sättel und Mulden zusammengeschoben, die diskordant vom oberen Diluvium überlagert werden.