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Zur Entwicklungsgeschichte des sog. Thorn-Eberswalder Haupttales.

Maas, Günther

Kurzfassung

In seiner Arbeit ,Die Stillstandslagen des letzten Inlandeises und die hydrographische Entwicklung des pommerschen Küstengebietes" gibt K. Keilhack eine ausführliche und anscheinend recht genaue Entwicklungsgeschichte des sog. Thorn-Eberswalder Haupttales, das den von der großen baltischen Endmoräne herabkommenden Schmelzwassern seine Entstehung verdanken soll, und bringt die einzelnen Phasen dieser Entwicklung auf Grund der Terrassen in unmittelbare Beziehung zur hydrographischen Entwicklung des Haffgebietes. Es hat sich aber schon seit längerer Zeit gezeigt, daß die von Keilhack vorausgesetzten Beziehungen zwischen dem Urstromtal und der großen baltischen Endmoräne nicht bestehen. Die von ihm angenommenen gewaltigen Sande sind als einheitliche Gebilde, soweit es sich überhaupt um Sandflächen handelt, nicht vorhanden. Dafür aber findet sich eine große Zahl ostwestlich verlaufender Endmoränenzüge, die meist der baltischen an Bedeutung nicht nachstehen und sich stets bis dicht an diese verfolgen lassen, in dem Gebiete östlich der Drage, in dem Gebiete also in dem sie nach Keilhacks Darstellung fehlen müßten, und zwar fast unmittelbar vom Nordrande des Netzetales an bis an den Südrand der Elbing-Danziger Niederung. Das Vorhandensein dieser Endmoränenzüge, die sich unmittelbar an die ostpreußischen anschließen, beweist aber, daß ein Weichselgletscher im Sinne Keilhacks niemals vorhanden war. Damit fallen aber auch gewisse nur auf Konstruktion beruhende Zeitbestimmungen Keilhacks in der hydrographischen Entwicklungsgeschichte. So läßt es Keilhack noch unbestimmt, ob im Weichselgebiete der Rückzug des Eises schon begann, als in Hinterpommern der Eisrand bereits zwischen Köslin und Schlawe lag, neigt aber der Ansicht zu daß dieser Rückzug erst später stattfand.