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Bemerkungen zu De Geer's neuer Stellung zur Frage der zweiten Vereisung.

Wolff, Wilhelm

Kurzfassung

In der Februar Versammlung des geologischen Vereins zu Stockholm hielt Freiherr De Geer einen bemerkenswerten Vortrag, in welchem der verdiente schwedische Forscher seine allgemein bekannt gewordene ,Arbeitshypothese" über den baltischen Eisstrom, jenen eigenartig geformten, bereits von Holst als unmöglich erwiesenen Ausläufer der zweiten (jüngsten) Vereisung, aufgibt. Es ist namentlich der von Ussing kürzlich erbrachte Nachweis, daß die baltische Endmoräne sich im nördlichen Jütland nicht, wie es der vermeintlich von ihr begrenzte baltische Eisstrom erfordern würde, dem Kattegatt, sondern der Nordsee zuwendet, der De Geer zu dieser Änderung seiner Ansicht bewogen hat. Im Lauf der Verhandlung sprach er dann hinsichtlich der Grenzen der letzten Vereisung die Vermutung ans, daß dieselben mit der westbaltischen Endmoräne zusammenfielen, und stützte sich ferner auf die Lehre, daß im östlichen Deutschland die sog. diluviale Nordseefauna interglacial sei. Was den ersten Punkt betrifft, so muß daran erinnert werden, daß es nach den neueren Forschungen eine einheitliche ,baltische" Endmoräne in Deutschland nicht gibt. Wir haben vielmehr im Westen wie im Osten eine oft kaum zu entwirrende Zahl von Endmoränenstaffeln, die eine außerordentlich breite und bis jetzt noch nicht klar zu übersehende Zone beherrschen, in welcher in den verschiedenen Landschaften bald südlichere, bald nördlichere Moränen besonders mächtig entwickelt sind. Alle diese Moränen gehören dem letzten Eis-Vorstoß an, und wo die äußersten Grenzen desselben Hegen, wissen wir noch nicht. Wir wissen z. B. noch nicht sicher, ob im Westen Deutschlands der letzte Vorstoß geschlossen das Elbtal Überschritten hat, und wie weit er vorgedrungen ist; nur das wissen wir, daß jenseits der Weser nur noch eine einzige Vereisung nachweisbar ist.