Original paper

Über ein reichliches Vorkommen von Tertiärgesteinen im Diluvialkies bei Polzin, Hinterpommern.

Deecke, Wilhelm

Kurzfassung

Bei einem Vortrag in dieser Gesellschaft hat K. Keilhack schon 1896 erörtert, daß ein großer Teil der glacialen Sande Norddeutschlands dem einheimischen Tertiär entstammen müsse. Ich bin nun heute in der Lage, einen schönen Beweis für die Richtigkeit dieses Satzes zu erbringen an der Hand eines geradezu massenhaften Vorkommens härterer tertiärer Gesteine im Diluvialkies und -Gerölle, in dem sich die weniger leicht zerstörbaren Knollen des Mittel- und Oberoligocäns angehäuft haben, während die Sande wahrscheinlich durch das Eis und seine Schmelzwasser weithin fortgeführt sind. In diesem Frühjahr wurde ich durch die Herren Oberlehrer Wagenknecht zu Schivelbein und Oberinspektor Herzenskron zu Erfurt darauf aufmerksam gemacht, daß in Kiesgruben bei Polzin (Hinterpommern) massenhaft braune Knollen vorkämen mit einer Versteinerung als Kern. Eingesandte Stücke zeigten, daß es sich um Stettiner Sandkugeln handele mit trefflich erhaltenen Muscheln, und ich habe daher gleich nach Ostern unter freundlicher Führung des Herrn Wagenknecht den Fundort besucht. Polzin liegt an der Innenseite der großen baltischen Endmoräne, die durch Keilhack in ihrem Verlaufe festgestellt worden ist. An diese nördliche Flanke lehnen sich mächtige Kies- und Grandlager an, die, wie ebenfalls Keilhack bei Aufnahmen des Bahnprofils Polzin - Schivelbein konstatierte, sich ziemlich weit gegen Norden und unter das Gebiet des jüngeren pommerschen Urstromtales fortziehen. Aus diesen unteren eisenschüssigen Sanden treten die Quellen heraus, welche in Polzin die Anlage der verschiedenen Bäder veranlaßt haben. Bei Polziu selbst in einer Senke hinter der Endmoräne und an dem südlichen Rande des Tales, wo das Gelände zu dem Hügelzuge ansteigt, haben wir an der Straße nach Jagertow mächtige Kiesgruben.