Original paper

Über sogenannte Lobolithen.

Jaekel, Otto

Kurzfassung

Mit diesem Namen bezeichnete Barrande knollig geformte, plattig skeletierte Echinodermenkörper, die in den tieferen Schichten des böhmischen Obersilur (E1 Barr.) nicht selten gefunden wurden und von Barrande als organisch selbständige, neue Repräsentanten einer besonderen Echinodermenklasse angesehen wurden. Eine abweichende Auffassung vertrat Hall, der diese Körper in Amerika im Zusammenhang mit einem Stiele fand, die Knolle zwar ebenfalls mit dem eigentlichen Körper eines Crinoiden verglich, aber doch die Annahme vorzog, daß dieselbe einer Wurzel gleichzusetzen sei, die er als schwebenden Träger eines oder mehrerer Crinoiden ansah, deren Stiele und Kelche von ihm herabhingen. Wegen ihrer Zerlegung in mehrere Kammern wurden diese Lobolithen von ihm als Camarocrinus bezeichnet, Barrande hat zwar von seiner Arbeit über die Lobolithen nur mehr die Tafeln fertig stellen lassen, aber seine Auffassung ist dadurch historisch festgesetzt worden, daß diese Lobolithen nun in dem großen Werke Barrandes, getrennt von den Crinoiden, zu denen sie einst gehörten, als Abteilung für sich beschrieben und herausgegeben werden sollen. Da mir auch in neuester Zeit wieder Ansichten begegneten, die diese Reste als selbständige Tierkörper hinstellen wollen, so scheint es mir an gebracht, die seit ca. fünfzehn Jahren von mir mündlich verfochtene Ansicht über diese Teile einmal in der Literatur niederzulegen. Es bedarf keiner speziellen Kenntnisse im Gebiet der Zoologie, um einzusehen, daß ein Tier von der Organisationshöhe eines Echinoderms ohne Hund, ohne After und ohne Nahrung zuführende Ambulacralorgane allenfalls in Büchern, aber nicht in der Natur existieren konnte. Der ,Lobolith", der keinerlei Anhaltspunkte für den einstigen Besitz der genannten Organe zeigt, konnte also niemals der eigentliche Körper eines Echinoderms sein und etwa dem Kelch oder der Theca eines Pelmatozoen gleichgesetzt werden.